Reiseberichte Burma November 2012

9. Tag / Hsipaw

Wir haben beide gut geschlafen und stehen ausgeruht um 07:00 Uhr auf. Nach dem Gang ins Bad ziehe ich mich an und überlege, dass ich heute die Trekkingschuhe anziehe. Als ich so barfuß im Schuh stecke, merke ich wie sich vorne im Schuh etwas bewegt. Blitzschnell ziehe ich meinen Fuß wieder aus dem Schuh…Eine Kakerlake hat es sich über Nacht im Schuh gemütlich gemacht. Meinen Adrenalinschub für den Tag habe ich  jetzt bekommen. Meine Güte habe ich mich erschrocken!

Frühstück gibt es draußen vor dem Hotel. Als wir frühstücken gehen herrscht schon reges Treiben vor dem Hotel. Der Guide läuft umher und macht die Touren für den Tag klar. Wir reservieren zu dritt die Halbtagestour mit dem Boot und kleiner Wanderung.

Um 09:00 Uhr geht es los. Brigitte klinkt sich aus, da sie eine längere Tour laufen möchte. Aber eine Alleinreisende, Elisabeth, ist bei unserer Tour dabei, so dass wir zu viert sind. Nach der Personenzahl richtet sich auch der Preis. In unserem Falle jetzt 9000 Kyat pro Person.

Wir laufen zu Fuß zur Bootsanlegestelle.

Die Bootsfahrt auf dem Duthawady dauert ca. 1 Stunde. Der Motor knattert und qualmt…Der Burmese am Motor hat sich auch direkt mal ne Fluppe angemacht. Fällt bei dem ganzen schwarzen Qualm auch nicht weiter auf...

Vom Boot aus kann man wunderbar das Treiben am Fluss beobachten.

Die einen waschen ihre Wäsche, die anderen lassen ihre Wasserbüffel baden und wieder andere nehmen selbst ein Bad...

In den Hängen am Flussufer entdecken wir auch ein Kloster, malerisch am Hang gebaut.

Die Wurzeln vieler Bäume sind total ausgespült...und viele kleine Dörfer tauchen rechts und links am Ufer auf.

An einem sehr schlammigen Stück Flussufer wird unser Boot festgemacht und wir steigen nacheinander den steilen Hang hinauf. Zu Beginn des Weges begegnen wir einer älteren Dame, die hier alleine in einer Hütte lebt und tagsüber die Feldarbeiter beherbergt.

Hier in der Gegend wird unter anderem Mais angebaut. Später erfahren wir, dass die Maiskörner aus China kommen und genmanipuliert sind. Er vermehrt sich nicht. Den Mais bekommen die Bauern vor Ort nicht verkauft, also wird er wieder nach China exportiert. Die Chinesen bestimmen die Preise. Sie bieten zu Beginn hohe Preise als Lockangebot und wenn viele Bauern den Mais anbauen, werden die Preise gedrückt. Die Bauern verdienen einen Hungerlohn und ihnen fehlt  das Land für den Anbau eigener Saaten bzw. Pflanzen.

Unser Guide läuft voran durch Felder und Plantagen und wir hinterher. Es ist sehr heiß und wir gehen langsam.

Zwischendurch bestaunen wir die Vegetation und den Anbau von Früchten aller Art.

 Nach ca. 45 minütiger Wanderung besichtigen wir ein 150 Jahre altes Kloster mitten im Grünen.

Wir kommen gerade zur Mittagszeit. Die kleinen Mönchskinder beten vor dem Essen und verschwinden dann alle in den Speiseraum. Wir werden auch aufgefordert uns zu setzen und bekommen Wassermelone und Tee angeboten. Die Pause tut gut. Wir lassen alle nach der Besichtigung eine kleine Spende dort.

Gestärkt und ausgeruht machen wir uns auf den Rückweg und besuchen einen Reisbauern.

Die Familie heißt uns herzlich willkommen. Sie schneiden uns eine frische Ananas auf und es ist die beste Ananas, die ich seit ewigen Zeiten gegessen habe, süß und saftig.

Ich darf noch den Arbeiter der Familie, einen Chinesen, fotografieren und entdecke die Reisbäuerin im Feld, auch ein wunderbares Fotomotiv.

Nach ein bisschen Smalltalk machen wir uns aber auch schon wieder auf den Weg.

Wir klettern zurück ins Boot und halten auf dem Rückweg an einem Shan-Dorf. Wir schlendern gemütlich durch das Dorf, was einen sehr ordentlichen und sauberen Eindruck auf uns macht.

Unser Guide erklärt uns den typischen Baustil der Shan und wir können auch den dorfeigenen Natschrein bewundern.

Das Dorf liegt an einem Ende am Fluss und an anderer Stelle fährt die Bahn durch das Dorf. Am Kiosk des Bahnhofes machen wir eine kleine Pause und kaufen uns etwas zu Trinken. Ein paar Kinder kommen erst schüchtern angelaufen, haben dann aber sichtlich Spaß an dem Spiel: Ich mache ein Foto und zeige es euch dann. Das wiederholen wir ein paar Mal…

Auf dem Rückweg drehen wir mit dem Boot eine kleine Schleife an einem unspektakulären Wasserfall.

Die Fahrt zurück dauert auch eine Stunde.

Im Hotel angekommen machen wir nur eine kleine Pause und möchten noch ein bisschen Sightseeing machen. Es dämmert schon, aber morgen fahren wir schon weiter und wir wollen den Tag nutzen. Wir buchen schnell noch im Hotel einen Platz im „Share Taxi“: pro Platz im Auto 15.000 Kyat nach Pyin Oo Lwin.

Beim Laufen durch die Straßen, begegnen wir wieder Elisabeth, die mit uns die Halbtagestour gemacht hat. Sie hat die Idee noch zum Shan-Palast zu gehen und wir schließen uns an. Nach ein paar Irrwegen finden wir das Grundstück. Auf dem Weg dorthin pflücken uns Kinder noch Blumen. Wir bekommen jeder eine Blüte. Süß!

Das Grundstück ist umzäunt und das Tor ist zu. Hmmm, Pech gehabt…Einer von uns versucht das Tor zu öffnen. Es geht auf! So ganz geheuer ist uns das nicht, aber wir gehen die Auffahrt vor zum großen Haus. Auf einmal kommen viele Hunde kläffend auf uns zu gerannt. Ich bleibe lieber mal stehen und rühre mich nicht von der Stelle. Durch das Gekläffe kommt plötzlich eine Frau aus dem Haus auf uns zu. Sie fragt, was wir möchten und als wir unser Anliegen erklären, bittet sie uns trotzdem ins Haus, obwohl die Besuchszeit vorbei ist. Sie bittet uns Platz zu nehmen und holt ihre Mutter. Laut meinem Loose-Reiseführer kann man das Haus gar nicht besichtigen, aber seit ein paar Monaten geht es wohl doch. Die Mutter kommt schließlich und erzählt uns anhand Fotos die Familiengeschichte.

Der Palast gehört zu den wenig erhaltenen und bewohnten Residenzen der Shan-Fürsten. Nachdem der Hausherr inhaftiert wurde, galt das Haus als geschlossen. Im Rahmen der Öffnung des Landes kann man es wieder besichtigen und die Familie wird im Moment nicht mehr vom Militär bedroht.

Es gibt ein Buch zur Familiengeschichte:  „Dämmerung über Birma-Mein Leben als Shan-Prinzessin.“: Inge Sargent glaubt, sich in einem Märchen wiederzufinden, als sie 1953 mit ihrem birmesischen Ehemann im Hafen von Rangun einläuft und mit fürstlichen Ehren willkommen geheißen wird. Erst jetzt nämlich erfährt die junge Österreicherin, dass ihr Mann Sao Kya Seng, den sie als Studentin in den USA kennen gelernt hat, nicht nur Bergbauingenieur ist, sondern auch Prinz des birmesischen Bergstaates Hsipaw und Oberhaupt der Shan. Inge ist somit die "Mahadevi", die Himmelsprinzessin.

Schon bald sucht sie sich eigene Aufgaben. Sie lernt Shan und Birmesisch, macht sich mit den Traditionen vertraut und engagiert sich in sozialen Projekten.
1962 findet das fortschrittliche Märchen ein grausames Ende: Sao Kya Seng wird nach dem Militärputsch verschleppt und ermordet; Inge Sargent gelingt mit ihren beiden Töchtern die Flucht in die USA. Bis heute wird sie als letzte Mahadevi von den Shan verehrt“.

Was für eine Geschichte...

Unglaublich dass eine Nachfahrin der Familie jetzt vor uns sitzt. Sie nimmt sich viel Zeit und erklärt uns, dass Inge Sargent zwar wieder lose Kontakt zur Familie in Hsipaw hat, aber nicht einreisen darf. Wir lassen alle eine kleine Spende als Dankeschön für den späten abendlichen Besuch da. Als wir das Haus verlassen, ist es stockdunkel und wir leuchten uns mit Taschenlampen den Weg zurück zum Hotel bzw. Brigitte und ich schlendern noch mal ins chinesische Restaurant vom Vortag.


 

22.5.13 15:19

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