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Reiseberichte Burma November 2012

1. und 2. Tag / Anreise und Ankunft Yangon

5 Jahre ist es her, dass ich zuletzt in Burma war,  unmittelbar nach der gescheiterten „Safran-Revolution“. Ich hatte 2007 die 19-tägige Rundreise bei  Djoser gebucht. Während dieser Reise lernte ich Caroline und Brigitte kennen und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und vieles vor Ort gemeinsam unternommen. Wir haben all die Jahre immer lose Kontakt gehalten  und dieses Jahr entschieden, dass es Zeit ist, noch mal eine Reise in dieses wunderschöne Land zu unternehmen, dieses Mal auf eigene Faust.

Seit 2010 habe ich eine Patenschaft für ein Mädchen aus Mingun über den Förderverein Myanmar übernommen und meine oberste Priorität war natürlich auch, mein Patenkind (Su Pyae Nandar) und deren Familie persönlich kennenzulernen, um auch ein Bild von deren Situation vor Ort zu bekommen. Als ich ihr schrieb, dass ich sie besuchen komme, freute sie sich sehr und bat darum, dass ich ihr etwas zu Essen aus Deutschland mitbringe. Was nimmt man da mit? Also habe ich neben einem Stofftier, Stiften, Schreibheften und einer „Hello Kitty-Dose“, die ich mit Kleinkram gefüllt habe wie z.B. Nagellack, Zahnpasta, Tee usw. auch eine Tüte Gummibärchen eingepackt…

Am 10.11. geht es dann los. Morgens früh fahren mein Freund und meine Mutter mich zum Düsseldorfer Hauptbahnhof. Der Zug fährt pünktlich um 07:21 Uhr Richtung Frankfurter Flughafen ab, Preis 34 EUR mit Zugbindung. 

Am Flughafen habe ich ausreichend Zeit, um in Ruhe einzuchecken und noch etwas essen zu gehen. Ich erhalte hier schon die Bordkarten für beide Flüge und es hat auch geklappt, dass ich bei beiden Flügen einen Gangplatz habe.

Um 12 Uhr startet mein Flieger von Malaysia Airlines nach Kuala Lumpur, Flugzeit 11 Stunden und 20 Minuten. In Kuala Lumpur vertreibe ich mir den Aufenthalt bei einer Flasche Wasser in einem Café. Ich kann in USD bezahlen, bekomme aber die Landeswährung, den Ringgit (RM), auch Malaysia- Dollar (M$) genannt, als Wechselgeld.

Von Kuala Lumpur geht es weiter nach Yangon, Flugzeit noch mal 2,5 Stunden.

Gegen 11: 30 Uhr Ortszeit am 11.11. erreiche ich den Flughafen von Yangon

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß ist, dass am Morgen um ca. 07:42 ein schweres Erdbeben das Land erschüttert. Das Beben hat eine Stärke von 6,8 und das Zentrum liegt ca. 100 km nördlich von Mandalay.  Viele Menschen sterben und einige Tempel werden beschädigt, wie ich später selber sehen werde.

Ich sichte schnell meinen Rucksack auf dem Gepäckband. Als Erstes tausche ich 400 USD bei der Reisebank in der Ankunftshalle, Kurs: 1 USD => 844 Kyat. Ich bekomme einen Stapel Geld zurück, das meiste davon nagelneue 5000er Scheine.

So, dann ist das schon mal erledigt. Später stelle ich fest, dass es manchmal schwierig ist diesen „großen“ Schein zu wechseln, der ja eigentlich nur um die 5 EUR wert ist. Der im täglichen Gebrauch am meisten benutzte Schein ist der 1000 Kyat- Schein.

 Als Nächstes halte ich Ausschau, ob ich eine meiner Mitreisenden oder jemanden vom YMCA Hotel erspähe. Eigentlich haben die einen Abholservice. Aber nichts zu sehen. Sofort sprechen mich mehrere Taxifahrer an: „Do you need taxi?“. Gute Frage. Ich gehe erst mal zur Touristeninfo und frage, ob sie mal im Hotel anrufen können. Nach längerem Hin-und Her dann die Auskunft, dass ich ein Taxi nehmen soll. Sie vereinbaren einen Festpreis von 10 USD. Später erfahre ich, dass das der übliche Preis für eine Fahrt in die Innenstadt vom Flughafen ist.

Während der ca. 45 minütigen Fahrt fallen mir sofort der dichte Verkehr und die vielen Werbetafeln am Straßenrand auf. Einige Male stehen wir im Ampelstau. Unfassbar! Das war vor 5 Jahren aber noch ganz anders. Aus 3 Spuren werden locker 4 gemacht und der größere Wagen hat Vorfahrt. Wer in Yangon Auto fährt, benötigt einen frechen Fahrstil und den Finger an der Hupe, um zügig voran zu kommen.

Im Hotel  YMCA angekommen, frage ich nach meiner Zimmergenossin Brigitte. Im Eingangsbereich ist auch niemand von meiner Crew auszumachen. Hmmm, komisch…Aber an der Rezeption weiß man Bescheid und bringt mich zum Zimmer. Nach mehrmaligem Anklopfen stellen wir fest, dass sie auch nicht im Zimmer ist. Seltsam, ich hatte ihr doch meine Ankunftszeiten angegeben. Man schließt mir wenigstens die Tür auf.

Bevor ich den Tag weiter beschreibe, möchte ich ein bisschen was zum Hotel anführen.

Das Treppenhaus sieht nicht aus wie das eines Hotels, sondern eher wie das eines DDR-Plattenbaus, recht groß mit ungestrichenen Wänden. Auf meiner Etage befindet sich eine Bücherei…Lautstark spielt eine Rockband und hört auch die nächsten Stunden nicht damit auf. Das Zimmer ist recht groß mit zwei Einzelbetten, Gott sei Dank! Ich stelle den Rucksack an die Wand und stelle fest, dass die Farbe abblättert und Schimmel o.ä. an den Wänden ist. Die Klimaanlage röhrt und bläst kalte Luft in den Raum, was angesichts der Schwüle in der Stadt nicht das Schlechteste ist.

So sieht das Zimmer aus:

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Auf der Rückfahrt gehen wir noch mal für 2 Nächte ins YMCA und da haben wir ein Viererzimmer zu zweit.

Ich gehe erst mal ins Bad, mache mich frisch und weiß nicht so recht, was los ist. Wo sind alle? Ich bin total fertig von der Anreise und keiner ist da. Fühle mich irgendwie gerade sehr einsam und verloren in diesem furchbaren Zimmer mit dem kaputten PVC Boden und der Neonröhrenbeleuchtung . Sooo schlecht habe ich noch nie gewohnt, aber es gibt immer ein erstes Mal. Und es geht auch noch schlimmer wie ich während der Reise leider erfahren muss. Das Zimmer kostet 30 USD mit Frühstück. Wie ich später erfahre, wird das Frühstück ins Zimmer gebracht.

Das Toast ist lauwarm und das Rührei in der Mitte auch. Ich konnte immer nur maximal die Hälfte davon essen und natürlich die Banane. Der Kaffee ging eigentlich…Grundsätzlich steige ich während dieser Reise auf Kaffee um. Der Tee, selbst der selbstmitgebrachte im Beutel, schmeckt wie Caroline einmal treffend formuliert wie „Knüppel auf´m Kopp“.

So nach einer halben Stunde alleine im Zimmer taucht Brigitte auf. Wir begrüßen uns erst mal und sie entschuldigt sich ganz doll, aber sie hat meine Ankunftszeit und meine Fluglinie vergessen mitzunehmen… Nun denn… Auf meine Frage, wo denn die anderen Zwei sind, erhalte ich die Ansage, dass sie noch auf dem Scott Market shoppen. Kann noch eine Weile dauern bis sie auftauchen.

Total erschöpft entledige ich mich ein paar Sachen und lege mich aufs Bett. Das verbessert nicht gerade den Eindruck vom Zimmer. Das Kopfkissen ist bretthart und ich habe das Gefühl fast auf den Sprungfedern zu liegen. Das Kopfkissen muffelt auch irgendwie nach altem Waschlappen.

 Ich beschließe das Kopfkissen neben das Bett zu schmeißen und zerre  den mitgenommenen Bettüberzug aus meinem Rucksack und nehme lieber den als Kopfkissenersatz. Der riecht wenigstens frisch gewaschen…Ich versuche mal die Augen zuzumachen, was aber angesichts der lauten Klimaanlage und der Rockband kaum möglich ist…. Krach dringt auch noch zusätzlich von der Straße und vom Treppenhaus in das Zimmer. 

Während ich so vor mich hin vegetiere und döse, schneien Caroline und die andere Brigitte ins Zimmer und begrüßen mich. Sie haben Bananen und Mandarinen mitgebracht.

Die essen Brigitte und ich dann und ich erhalte die nächste wichtige Lektion für dieses Zimmer: bloß nicht krümeln und Lebensmittelmüll immer doppelt in Tüten verschließen, denn sonst kommen sofort so kleine Miniameisen in Scharen angerannt. O.k., ich passe gut auf und esse vorsichtig!

Den Rest des Nachmittags liegen wir in den Betten, erzählen ganz viel, schmieden Pläne für die Reiseroute und überlegen, was wir organisieren müssen. Wir haben uns 5 Jahre nicht gesehen und es gibt viel zu bequatschen…

Als wir so die Reiseplanung besprechen, fällt mir auf, dass ich dem Förderverein ein falsches Ankunftsdatum für Mandalay mitgeteilt habe. Ich bin aus welchen Gründen auch immer davon ausgegangen, dass wir am 14. In Mandalay ankommen, aber es ist der 13.! Da muss ich dringend anrufen und die Änderung durchgeben!

Abends sind wir mit May  verabredet.

Brigitte hat sie während der letzten Rundreise am Golden Rock kennengelernt und die beiden haben ihre Kontaktdaten ausgetauscht. Sie betreibt ein kleines Reisebüro von ihrer Wohnung aus. Und dorthin hat sie uns vier eigeladen. Mit dem Taxi fahren wir hin und sie wartet schon vor der Haustür auf uns und begrüßt uns sehr nett. Wir dürfen uns ihre Wohnung in der 6. Etage anschauen. Sie wohnt mit ihren Schwestern zusammen in der Wohnung. Wir werden von ihr sehr gastfreundlich mit Limonensaft und Melone sowie einer Tasche als Begrüßungsgeschenk umsorgt. Sie ist eine sehr quirlige und umtriebige Burmesin und spricht etwas englisch und französisch. Die Verständigung klappt gut. Sie erzählt ein bisschen von sich und wir plaudern über viele Dinge, auch über Politik und die aktuelle Entwicklung im Land. Sie erwähnt, dass wir vor 5 Jahren noch gar nicht in ihre Wohnung gedurft hätten und dass so ein offenes Gespräch zwischen uns nicht möglich gewesen wäre. Das ist doch eine gute Entwicklung, die wir sehr begrüßen!

Sie erzählt uns die traurige Geschichte ihrer Schwester, die als Nonne von dem Abt ihres Klosters vergewaltigt wurde. Seitdem plagen die Nonne gesundheitliche Probleme sowie Schlaf-und Essstörungen. May berichtet traurig und wütend, dass das leider kein Einzelfall in Myanmar ist…Wir sind alle sehr betroffen und entsetzt!

Sie erwähnt auch, dass es offiziell Prostitution nicht gibt, dass aber inoffiziell eine Szene vorhanden ist, die stetig wächst. Genauso verrät sie uns, dass die Kleinkriminalität steigt und dass wir aufpassen sollen und nichts im Zimmer liegen lassen sollen. Ich fühle mich aber auf der gesamten Reise sicher und mir wurde nichts aus dem Zimmer entwendet, auch nicht ein liegengelassener Fotoapparat oder Ähnliches. Auch das am Eingang der Shwedagon Pagode beim Bezahlen liegengelassene Portemonnaie von mir liegt später ein wenig zur Seite geschoben noch am Platz… Also ganz so schlimm ist es noch nicht…

Von May erhalten wir im Laufe des Gesprächs viele nützliche Tipps, Telefonnummern und Preise, die wir alle fleißig notieren. Sie bestätigt uns auch noch mal, dass das Gebiet um Mrauk U zurzeit aufgrund der Unruhen zwischen Muslimen und Buddhisten nicht zugänglich für Touristen ist. Auch Brigittes Idee von Mandalay nach Bhamo oder Myitkyina zu fliegen, um von dort mit dem Schiff auf dem Irrawaddy zurückzuschippern lässt sich zur Zeit nicht umsetzen, da das Gebiet nicht sicher ist und wir die entsprechenden Permits nicht haben. Schade!

Später am Abend gehen wir mit ihr burmesisch essen und sie lädt uns gegen unseren Willen ein. Und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Der kleine Teddy von May beinhaltet ihr Handy. Handys sind recht teuer in Myanmar und sie hat schon mal eins verloren. Jetzt steckt es sicher im Teddy, geht beim Runterfallen nicht kaputt und wenn sie es aus Versehen irgendwo liegen lässt, erkennt nicht sofort jeder den wahren Inhalt…

Wir verabreden uns noch mal für den nächsten Tag mit ihr, da sie uns noch beim Besorgen der Flugtickets und Bustickets behilflich sein möchte. Sie möchte keinerlei Geld für ihre Dienste. Sie zählt lediglich zu den vielen gastfreundlichen und hilfsbereiten Burmesen, wie wir sie im ganzen Land treffen werden.

Alles in allem war dies ein sehr erlebnisreicher Tag!

Zum YMCA: Da meine Zimmernachbarin Brigitte das Zimmer in Ordnung fand und nicht meckerte, beschloss ich es auch so hinzunehmen wie es ist…Es war halt sehr einfach und hat schon bessere Zeiten gesehen, aber man gewöhnt sich an alles.

Das Hotel hat aber auch gute Seiten. Direkt um die Ecke ist ein Internetcafe, von dem ich problemlos nach Deutschland telefonieren kann. Für 12 Minuten zahle ich nur 1200 Kyat und die Internetnutzung kostet auch sehr wenig.

Unten an der Rezeption gibt es einen älteren Herrn, der uns immer gerne ein Taxi besorgt. Nachdem er weiß, wohin wir wollen, vereinbart er immer schon den Preis mit dem Fahrer. Das ist praktisch und die Preise sind mehr als in Ordnung! Grundsätzlich haben wir während der Reise gar kein Problem mit den Taxipreisen, da wir mind. zu zweit oder dritt bzw. alle viere unterwegs sind, so dass wir den Preis immer teilen. Oft machen wir es so, dass Brigitte den ganzen Tag über für alle bezahlt (Taxi, Restaurant) und wir abends in Ruhe abrechnen.

3.Tag / Yangon

Am nächsten Morgen treffen wir uns um 10 Uhr mit May in der Lobby. Sie hat ein Taxi organisiert und zu 5. quetschen wir uns hinein.

Zuerst fahren wir zum Busticketshop und besorgen die Bustickets für Caroline und Brigitte für die Fahrt nach Mandalay. Meine Brigitte und ich haben den Plan, das Flugzeug zu nehmen.

Anschließend fahren wir in ein Reisebüro im Sakura Tower und versuchen es auch noch mal in einem anderen Reisebüro, aber einen Flug für den nächsten Tag bekommen wir nicht. Schade! Dafür klappt es aber nach langer Wartezeit mit dem Flugticket für den 28.11.von Bagan nach Yangon. Wir schlagen zu und bezahlen 120 USD sowie 1000 Kyat Flughafensteuer pro Person.

Die Tickets werden noch von Hand ausgefüllt und wir müssen später noch mal wiederkommen.

Jetzt müssen aber auch wir Bustickets nach Mandalay haben. Also noch mal zurück zum Busticketschalter. Das Busticket nach Mandalay kostet 10.400 Kyat und wir nehmen die Busgesellschaft Mandalar Minn. Ankunft in Mandalay ist so gegen 17 Uhr geplant. Diese Informationen sind wichtig für mich, da ich ja noch beim Förderverein die geänderten Daten durchgeben muss, was ich später per Telefon auch erledige.

Zwischendurch gehen wir mit May zum Kandawgyi Palace Hotel für eine Pause und wir bestellen uns alle frische Fruchtsäfte oder Kaffee. Es ist ein Luxushotel mit wunderschöner Außenanlage mit Blick auf den gleichnamigen See und Swimmingpool.

Wir genießen die Getränke zu westlichen Preisen und gehen anschließend unsere Flugtickets abholen.

So, jetzt knurrt uns aber allen der Magen. Wir fahren mit dem Taxi nach China Town in das Restaurant „Golden Duck“. Draußen hängen schon die ganzen Enten im Schaufenster und May bestellt für uns eine bunte Mischung. Ich halte mich an dem Reis und Gemüse fest, da mir das Entenfleisch entschieden zu fettig ist. May „besteht“ darauf, dass wir vor dem Essen Buddha bzw. Gott für das Essen danken.

Mit dem Taxi fahren wir vom Restaurant zur Shwedagon Pagode. Ein bisschen Sightseeing muss drin sein. Vorher stärken wir uns aber im Cafe Parisien mit Leckereien (Erdbeerjoghurt und ein Blätterteigteilchen). Der Joghurt schmeckt komisch und Brigitte rät zum Stehenlassen…

Eintritt in der Pagode kostet 5 USD. Als Erkennungszeichen, das man bezahlt hat, bekommt man einen Aufkleber auf das T-Shirt. Die Schuhe lassen wir direkt im Regal im Eingangsbereich und steigen barfuß in den Aufzug.

Buddhistisch korrekt  umrunden wir  im Uhrzeigersinn drei Mal die Pagode und machen viele Fotos.  Dreimal wegen der drei „Juwele der Zuflucht“: Buddha, Dharma (Lehre), Sangha (die buddhistische Gemeinde).

Ich bin froh, ein zweites Mal in meinem Leben das Glück zu haben, an diesem spirituellen Ort zu sein. Ich genieße den Aufenthalt und die stimmungsvolle Atmosphäre. Um 17:30 Uhr setzt die Dämmerung und damit die Beleuchtung ein. Es ist ein traumhafter Anblick, überall werden zudem Kerzen angezündet.

Die Menschen beten vor ihren Buddhas, singen oder begießen den Buddha ihres Wochentages mit Wasser. Ich bin an einem Samstag geboren, also Drache. Nachdem ich ihn gefunden habe, übergieße ich auch drei Mal den Buddha.

Von der Shwedagon schnell  mit dem Taxi zurück zum YMCA, denn um 19 Uhr sind wir mit Htun verabredet. Er war vor 5 Jahren unser Reiseleiter und kurz vor unserer Abreise habe ich ihn angemailt und er hat mir seine Handynummer gegeben, damit wir uns vor Ort verabreden können.

Er ist so nett und ruft von seinem Handy noch mal beim Förderverein an, um zu fragen, ob das mit der Abholung am Busbahnhof klappt und ob wir ein Hotel haben. Er erfährt, dass wir für eine Nacht ins Golden Country Hotel können und dass die Abholung steht. Super!

Dann fahren wir mit ihm im Taxi zu einem burmesischen Restaurant, wo selbst ich zuschlage, da es sehr lecker schmeckt! Wir bekommen von Htun auch noch viele Tipps und verbringen einen kurzweiligen Abend miteinander.

Htun erzählt, dass er am 30.11. Vater wird und am nächsten Tag eine neu ankommende Djoser Gruppe in Empfang nimmt. Wir vergleichen unsere Reiseroute und stellen witziger weise fest, dass wir zur selben Zeit in Bagan sind wie die Djoser Gruppe. Na dann sehen wir uns dort wieder J

Als ich schon zu Hause bin, schickt mir Htun Babyfotos von seinem Sohn.

Für die Burmesen ist der Wochentag ihrer Geburt sehr wichtig und danach wird auch der Partner ausgesucht…Deswegen klären wir erst mal aus Spaß unsere Geburtstage und Htun ruft zu Hause seine Frau an, um die Wochentag nachgucken zu lassen.

Wir haben außer dem Aufenthalt in Mandalay noch keine Hotelzimmer gebucht und aufgrund der Tatsache, dass die Touristenzahlen steigen , Hotelbetten knapp sind und sich die Hotelpreise verdoppelt haben, gibt uns Htun den Rat, dass wir zur Not immer ins Kloster zum Übernachten können. Na toll! Aber wir sind guter Dinge!

Abends im Hotel passiert das nächste Anekdötchen:

Wir haben gar kein Wasser im Bad. Weder die Dusche, noch die Toilette oder das Waschbecken funktionierten. Nach dreimaligem Gang zur Rezeption und einer Wartezeit von 1 Stunde erhielten wir die Zimmerschlüssel eines anderen Zimmers auf einer höheren Etage des Hotels. Da Brigitte sich schon zum Duschen ausgezogen hatte und ich schon im Nachthemd auf dem Bett lag, haben wir uns kurzerhand wenig bekleidet mit Kulturbeutel und Handtuch unterm Arm durchs Treppenhaus in das andere Zimmer geschlichen…Wenn uns einer gesehen hätte…

Am 13. 11. mussten wir leider aus diesem denkwürdigen Hotel auschecken, um am 28.11. noch mal für weitere 2 Nächte einzuchecken…

Man sieht sich ja bekanntlich immer zwei Mal im Leben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reiseberichte Burma November 2012

4. Tag / Yangon nach Mandalay

Um 08:30 Uhr Abfahrt mit dem Bus nach Mandalay. Die Busfahrt dauert insgesamt mit Pausen 8 Stunden.

Insgesamt machen wir 2 Mal einen Stopp von 30 Minuten und ansonsten gibt es Pinkelpausen am Straßenrand. Der Bus fährt auf einer autobahnähnlichen Straße, aber höchstens 90-100 km/h und hält bei Bedarf einfach am Straßenrand und die Fahrgäste gehen rechts in die Büsche. Auf der „Autobahn“ ist auch ansonsten nichts los. Ab und zu sehen wir einen anderen Bus oder selten mal ein Auto.

Der Bus ist sehr stark runter gekühlt und ich bin froh um Brigittes Rat, meine Sweatshirtjacke und den Schal mit in den Bus genommen zu haben. Wir mümmeln uns ein. Vorne laufen die ganze Zeit burmesische Musikvideos oder irgendwelche kitschigen Soaps.

Leider bekomme ich während der Busfahrt Durchfall und wenig später muss ich mich auch übergeben. Was für ein Elend. Gut, dass es so kleine braune Mülltüten an jedem Sitzplatz gibt. Brigitte holt beim Fahrer Nachschub. Wir haben doch alle dasselbe gegessen…Wir rätseln woher das kommt…Ich sitze auch noch total eingequetscht in meinem Sitz, da mein Vordermann seinen Sitz komplett nach hinten geklappt hat.

Ich bin froh, als die Busfahrt zu Ende ist. Hier zeigt sich, dass es gut ist, zu viert zu sein. Ich muss mich nicht um mein Gepäck kümmern. Brigitte kümmert sich. Als wir aussteigen, sehen wir sofort die beiden Fahrer vom Förderverein mit einem Blatt Papier, auf dem steht: Warmly Welcome!. Ich freue mich! Das klappt doch alles super! Kurzerhand werden wir ins Auto „verladen“ und auf geht´s zum Golden Country Hotel.

Die beiden Fahrer sind sehr nett und erklären uns am Hotel, dass sie uns am nächsten Tag um 10 Uhr abholen und in das von zu Hause aus reservierte Golden Mandalay Hotel fahren.

Jetzt checken wir erst mal im Golden Country ein und zahlen schon mal die 40 USD für das Doppelzimmer für eine Nacht. Ich bin unendlich froh, endlich im Bett zu liegen und bin sogar zu schwach, mich auszuziehen und lege mich voll bekleidet aufs Bett. Egal, erst mal ausruhen. Später gehen die drei anderen etwas Essen und schauen alle noch mal bei mir vorbei und fragen wie es geht. Caroline schenkt mir ihre Cola, an der ich ab und zu schlürfe, aber es bleibt oben wie unten nichts drin. Irgendwann stehe ich doch auf, ziehe ein paar Teile aus und schlafe so gegen Mitternacht endlich ein.

Reiseberichte Burma November 2012

5. Tag / Mandalay und Besuch der Paung Daw Oo Schule

Am nächsten Morgen ist mir nicht mehr schlecht, aber der Durchfall wird noch lange bleiben. Ich trinke zum Frühstück schwarzen Tee mit einer Prise Salz und esse meinen aus Deutschland mitgebrachten Zwieback. Ich kenne solche Situationen schon von anderen Reisen…

Um 10 Uhr kommen noch mal unseren beiden Fahrer von der PDO und bringen uns zum Golden Mandalay Hotel.

Das Hotel kostet 30 USD pro Nacht und liegt gegenüber der PDO (Paung Daw Ooh Schule), die vom Förderverein unterstützt wird. Für die Fahrten müssen wir nichts bezahlen.

Das Hotel liegt wunderschön direkt an einem kleinen See und die Zimmer sind im burmesischen Stil eingerichtet, alles aus Holz. Wir haben ein extra Fernsehzimmer und es ist sauber! Das Frühstück gibt es mit Blick auf den See.

Da wir von der Uhrzeit her noch nicht einchecken können, nehmen uns die beiden Fahrer mit rüber zur PDO. Unser Gepäck lassen wir im Hotel. Dort werden wir zunächst in das Büro der Schule geführt, bekommen einen Sitzplatz und Kaffee angeboten und lernen Wing Aung kennen. Wing Aung leitet vermutlich das Büro des Fördervereins an der Schule. Mit ihm tauschen wir uns eine Weile aus und können Fragen stellen bzw. bekommen Informationen. Wir erfahren unter anderem, dass über 6.000 Schüler und Studenten hier unterrichtet werden. Ich fühle mich immer noch so schwach vom Vortag, so dass ich froh bin, nicht alleine zu sein. Caroline und Brigitte stellen interessiert viele Fragen und der Fokus ist nicht komplett auf mich gerichtet.

Anschließend gehen „die Zwei“ mit uns durchs Schulgelände und zeigen uns alles: Klassenräume, Schulklinik, Schlafräume, Nähwerkstatt, Schulhof etc. Es herrscht ein wuseliges und lautes Treiben auf dem gesamten Gelände. Scheinbar ist gerade Pause. Viele Jungen spielen Fußball, Federball oder sitzen zusammen. Einige Mädchen kann ich beim Gummitwist beobachten.

Manche hängen aber auch einfach nur so rum, wie bei uns auch auf dem Schulhof…

Wir sehen, dass noch weitere Gebäude im Bau sind und offensichtlich gibt es einen Wassertank, an dem sich die Schüler bzw. Studenten mit frischem Trinkwasser versorgen können.

Wir sehen allerdings auch, dass die Kinder von der Straße, die im hintersten Gebäude des Geländes untergebracht sind, sehr verwahrlost aussehen…Da gibt es auf jeden Fall noch viel Handlungsbedarf. Allerdings ist der Förderverein nicht alleine für das Projekt zuständig. Es ist ein Gesamtprojekt, bei dem viele Hilfsorganisationen mitwirken. Und wir erfahren auch, dass sich nicht immer vor Ort alles so umsetzen lässt, wie man es sich von Deutschland aus wünscht, weil einfach die ständige Kontrolle vor Ort fehlt und ein wenig ist es auch einfach ein Mentalitätsproblem…

Wie werden nochmals in eine Art Büro geführt und warten auf Abt Nayaka, den Leiter der PDO. Nach seinem Mittagessen gesellt er sich zu uns und übt sich ein bisschen im Small Talk.

Wir lernen die 18 jährige Charlotte A. aus Deutschland kennen, die hier an der PDO  für mehrere Wochen eine Art Praktikum nach dem Abitur absolviert. Und wir lernen Herrn Wolfram B. kennen, der sich einen Monat um die Wasserversorgung an der PDO kümmert. Er wohnt auch bei uns im Hotel, während Charlotte mit den anderen Schülerinnen zusammen wohnt. Zusammen essen wir zu Mittag in der PDO. Moe Moe hat gebratene Nudeln und Gemüse mit Spiegelei und 1 Wachtelei sowie Tomatenscheiben, eine Suppe sowie gebackene Bananen zum Nachtisch für uns gekocht. Leider kann ich noch nicht voll zuschlagen, aber es schmeckt sehr lecker.

Sie bringt extra noch zu dem bereit gestellten Wasser grünen Tee, als sie von meinen Magenproblemen erfährt. Täglich kocht sie in ihrer Küche mehr als 500 Portionen und Caroline will sich die Großküche anschauen gehen und ist sehr erstaunt, mit wie wenig Platz alles gekocht wird. Moe Moe war sehr um uns bemüht und hat sich auch ein bisschen zu uns gesetzt.

Nach der Besichtigung der gesamten Schule gehen wir rüber ins Hotel und können auf unsere Zimmer. 

Nach Rücksprache mit der Rezeption erfahren wir, dass wir nur für 3 Nächte die Zimmer zur Verfügung haben. Eigentlich habe ich von Deutschland aus eine ganze Woche gebucht. Was machen wir jetzt? Wir planen um! Brigitte schnappt sich ihre Unterlagen und organisiert per Telefon von der Rezeption aus Unterkünfte in Hsipaw und Pyin Oo Lwin. Wir entscheiden mit dem Zug nach Hsipaw zu fahren. Ich möchte ein Mal in Südostasien Zug fahren.

Der große Nachteil: Der Zug fährt um 4 Uhr morgens los. Oh Gott, wir stöhnen alle auf. So früh aufstehen! Wir blenden das erst mal aus…Caroline schwingt sich spontan auf ein Motorradtaxi, um beim Bahnhof die Tickets für uns alle zu kaufen.

Caroline ist also unterwegs und wir restlichen drei entscheiden uns zum Mandalay Hill zu fahren. Leichter gesagt als getan. Es lässt sich kein Taxi auftreiben. Wir marschieren einfach mal los. Zufällig fährt Wing Aung an uns vorbei und hält an. Er nimmt uns spontan mit und fährt uns hin. Es bleibt die Frage offen, woher er als burmesischer Büroangestellter so viel Geld hat, um so ein dickes Auto zu fahren. Wir haben ein komisches Bauchgefühl. Ob da das Geld von dem einen oder anderen Brief an die Patenkinder in seiner Tasche landet? Wir wissen es natürlich nicht, aber….???

Wir sind faul und fahren mit dem Jeep hoch zum Mandalay Hill. Eigentlich soll man diesen Pilgerweg zu Fuß gehen. Es gilt als gutes Omen für ein langes Leben…Der Mandalay Hill ist Namensgeber der Stadt und nach der Shwedagon  in Yangon und nach der Mahamuni Pagode in Mandalay das lebendigste buddhistische Heiligtum des Landes, tief verwurzelt im traditionellen Glauben der Burmesen, der neben dem Buddhismus die uralten Naturgeister, die sogenannten Nats, mit einbezieht. Ca. 1000 Stufen sind es bis zum 290 m hohen Gipfel. Aber wie gesagt, wir nehmen den Jeep und die Rolltreppe nach oben.

Oben angekommen genießen wir die Aussicht auf Mandalay.

Später am Abend, während des Sonnenuntergangs sind  viele Touristen da. Es kommen ganz viele Studenten hier auf den Mandalay Hill, meist sind es Mönche und sprechen die Touristen an. Sie möchten ihr englisch üben. Wir stehen gerne zur Verfügung...

Auf dem Rückweg ins Hotel verlangen die Taxifahrer astronomische Preise und wir gehen zu Fuß. Unterwegs wird sich schon was finden…Und tatsächlich…Mondschou (oder wie man seinen Namen auch immer schreibt) entdeckt uns und fragt, ob er uns fahren soll. Der Preis ist o.k. und wir steigen ein. Wir nutzen die Gunst der Stunde und buchen ihn direkt für den übernächsten Tag.

 Später am Abend bummeln wir die Straße am Hotel entlang und essen am Straßenrand eine Kleinigkeit. Obwohl ich mich ja nie so richtig an die Sachen rantraue…Ich probiere aber ganz mutig ein Dumpling.

Für mich war es ein sehr aufregender Tag, denn ich habe endlich das Schulprojekt live gesehen, wovon ich im Internet schon so viel gelesen habe. Jetzt freue ich mich auf morgen, denn da werde ich mein Patenkind in Mingun treffen!

Insgesamt kann ich  sagen, dass die Mitarbeiter der PDO uns sehr viel helfen. Wing Aung besorgt uns später noch mal das Golden Country Hotel in Mandalay (als wir von Pyin Oo Lwin zurückkehren) und Moe Moe hilft uns beim Besorgen von Bus-bzw. Bootstickets. Sie kommt extra zu uns ins Hotel. Und sie besorgt und bucht uns das Hotel in Bagan, wo wir später während der Reise auch noch hin möchten.

Reiseberichte Burma November 2012

6. Tag / Mingun - Besuch meines Patenkindes

Frühstück gibt es heute mit Blick auf den See. Es gibt das Übliche für westliche Touristen: Toast, Spiegelei (fried egg, both sides)oder Rührei (scrambled egg), Erdbeermarmelade, Butter und Kaffee oder Tee (das Thema mit dem Tee war ja für mich durch...) und kleingeschnittenes Obst. Leider ist mein Appetit noch nicht voll wieder da und ich esse nur ein bisschen.

Um 8 Uhr holen uns unsere zwei Fahrer (leider habe ich es versäumt sie nach ihren Namen zu fragen) vom Förderverein vor dem Hotel ab, um uns zur Bootsanlegestelle zu fahren. Dort angekommen bekommen wir Vier für uns alleine ein Boot. Der Preis für die Hin-und Rückfahrt nach Mingun beträgt 25.000 Kyat, also für jede weniger als 6,25 EUR.

Wir sehen, dass die meisten Bootsbesitzer auf ihren Booten leben und viele kommen sich anschauen, wie wir Westler auf unser Boot „klettern“. Es liegt ganz hinten und wir müssen vorher über die anderen Boote steigen. Aber auf jedem Boot streckt sich uns eine helfende Hand entgegen oder es werden Bretter als Stege hingelegt und eine Bambusstange wird von zwei Männern als Gelände zum Festhalten hochgehalten. Ich überlege so im Stillen, dass das für die Burmesen der Lacher des Tages ist, wenn ich jetzt hier ins Wasser plumpse. Aber ich konzentriere mich und wir alle landen  sicher auf „unserem“ Boot.

Auf dem Boot machen wir es uns gemütlich. Und beobachten das Treiben zu Wasser und an Land.

Leider fängt es während der Fahrt an zu regnen. Unsere beiden Bootsfahrer sind aber mit Cappy und Schirm ausgerüstet. Und wir verkrümeln uns unter die Plane.

Nach einer guten Stunde Fahrt kommen wir in Mingun an.

An der Anlegestelle wartet schon Kyaw Kyaw Tun, um uns abzuholen. Er organisiert das Treffen vor Ort und ist auch unser Dolmetscher. Er studiert Englisch, lebt selbst in Mingun und arbeitet nebenher für den Verein. Mit ihm habe ich auch schon vor der Reise gemailt.

Bevor wir zu meinem Patenkind laufen, müssen wir an einer Bude das „Eintrittsgeld“ für Mingun zahlen, 3 USD. In diesem Eintrittsgeld sind immer alle Sehenswürdigkeiten enthalten, für deren Besuch man also nichts mehr extra zahlen muss.

Kyaw Kyaw Tun fragt uns, ob wir zuerst Mingun besichtigen oder das Patenkind besuchen möchten. Was für eine Frage! Natürlich wollen wir sofort zu meinem Patenkind. Sie heißt übrigens Su Pyae Nandar und ist 13 Jahre alt.

Der Fußweg dauert vielleicht 5 Minuten und als wir uns dem Grundstück nähern, kommt Su uns schon entgegengelaufen, nimmt meine Hand und nimmt mich mit zu ihrem Haus, wo der Rest der Familie wartet. Es ist ein sehr bewegender Moment, ihr und ihrer Familie endlich zu begegnen. Der Vater hat die Familie verlassen und somit sind da nur noch die Mutter, die Oma, der Bruder und die Tante, die später auch noch auftaucht. Der Bruder ist nirgends zu sehen. Angeblich sind Semesterferien und er ist unterwegs. Später höre ich aber eine Männerstimme aus dem Haus. Na ja, vielleicht hat er keine Lust auf Besuch aus dem Westen.

 Auf dem Grundstück stehen zwei Häuser. Das kleinere Haus wird von der Oma bewohnt.

 Sie ist Nonne und darf von daher nicht mit den anderen im Haupthaus schlafen. Unter dem Vordach der Oma ist für uns gedeckt: Es gibt geschälte Apfelstücke, Erdnüsse, Bananen und Kaffee.

Su verbringt auch gerade ihre Zeit als Nonne und schläft aus diesem Grund bei der Oma. Sie ist unglaublich süß und schüchtern. Sie traut sich nicht, ein Wort englisch zu sprechen und so unterhalten wir uns mit der Mutter und Kyaw Kyaw übersetzt für uns.

Su zeigt mir ganz stolz ihre Urkunde, dass sie in der Schule Zweitbeste geworden ist und sie schenkt mir ein Bild, das sie von mir gemalt hat. Abgemalt hat sie mich von einem Foto aus dem Allgäu, welches ich ihr geschickt habe. Das Bild ist richtig gut und ich stecke es vorsichtig in eine Mappe in meinen Rucksack.

Das kleine Fotoalbum, das ich ihr mit Fotos von zu Hause geschickt habe, hat sie mit eigenen Familienfotos aufgefüllt, dass sie uns allen zeigt. Zu unseren Füßen trollen sich kleine ausgehungerte Hundewelpen und spielen.

Ich fotografiere viel, alle wollen mal mit aufs Bild. Mit meinem Fotoapparat filme ich auch ein wenig.

Die Mutter ist 38 Jahre alt, also jünger als ich und arbeitet als Verkäuferin. Was sie verkauft, konnte ich nicht rausfinden.

Irgendwann während des Gespräches gebe ich Su die Tasche mit den Mitbringseln. Später frage ich die Mutter, ob ich irgendwas für sie tun kann und wir gehen rüber zum Haupthaus, wo sie mir das kaputte Vordach zeigt. Das Dach besteht aus geflochtenen Palmblättern und weist Löcher auf. Während der Regenzeit ist das natürlich nicht schön. Ich verspreche von zu Hause aus Geld für die Reparatur zu schicken.

Auf dem Grundstück der Familie stehen Mangobäume und ein Banyanbaum (auch Bodhi Baum genannt). Die Bäume sind heilig in Myanmar, denn unter so einem Baum hat Buddha seine Erleuchtung erlangt. An dem Baum hängt ein kleiner Altar für die Nats (Naturgeister). Der Baum ist sehr groß und in ihm wächst ein zweiter Baum, eine Palme. Das ist wirklich etwas Besonderes und wird von uns allen ausgiebig bestaunt.

Irgendwann ist auch dieser wunderbare Besuch zu Ende und wir müssen uns verabschieden. Ich verspreche wiederzukommen, gebe Su zum Abschied noch einen Umschlag mit umgerechnet 60 EUR.

Wir machen noch ein Abschiedbild, auf dem ich mich hinhocke. Die ganze Familie ist so zart und klein, da möchte ich nicht so übermäßig herausragen.

Nach dem Besuch bei Su bleiben bei mir aber noch ein paar Fragen offen.

Wieso kann sie kein englisch oder war das nur Schüchternheit, dass sie kein Wort rausgebracht hat? Sie hat eigentlich während meines ganzen Besuches nicht viel gesagt. Na ja, vielleicht war sie auch mit dem Besuch von vier westlichen Frauen überfordert. Wäre ich besser alleine hingefahren?

Ich werde auf jeden Fall noch mal beim Förderverein nachfragen, ob sie in Mingun auch privaten Nachhilfeunterricht bekommt. Sie hat den Wunsch geäußert, Ärztin zu werden und die Kinder in Myanmar besuchen, wenn sie denn überhaupt zur Schule gehen, die staatlichen Schulen. Mit dieser Bildung kommt man aber nicht weit, von daher gibt es private Nachhilfeschulen, die das Fehlende nacharbeiten. Und wenn Su studieren möchte, ist der Besuch so einer privaten Schule unerlässlich, egal für welches Studium. Ich habe ihr zugesichert, dass ich ihr ein Studium finanzieren werde.

Bei einem meiner nächsten Briefe an sie werde ich sie darauf hinweisen, dass es ganz wichtig ist, dass sie englisch lernt, damit ich mich ohne Dolmetscher direkt mit ihr austauschen kann.

Vor der Heimfahrt mit dem Boot, steht noch Sightseeing in Mingun auf dem Programm...

Direkt bei Su um die Ecke liegt die Hsinbyume-Pagode.Die Pagode wurde 1816 von König Bagyidaw zu Ehren seiner verstorbenen Lieblingsfrau errichtet.

Anschließend zeigt uns Kyaw Kyaw den Kindergarten von Mingun, der auch vom Förderverein unterstützt wird.

Anschließend gehen wir in eins der Restaurants an der Straße Essen. Kyaw Kyaw laden wir ein. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass wir mein Patenkind nicht auch mit zum Esse genommen haben. Bei meinem nächsten Besuch werde ich das nachholen.

Danach gehen wir zur größten funktionstüchtigen Glocke der Welt. Die Glocke hat eine Höhe von 3,7 m sowie einen Umfang von 15 m. Am untersten Rand hat sie einen Durchmesser von 5 m. Die Glocke ist aus Bronze. Der Glockengießer wurde nach Vollendung seiner Arbeit getötet, damit er nicht noch einmal ein derartiges Meisterwerk erschaffen konnte.

Zum Schluss bestaunen wir noch die Mingun Pagode. Sie sollte einst die gewaltigste Pagode aller Zeiten werden, wurde aber nie fertiggestellt.

Nach der Besichtigungstour geht es zurück mit dem Boot nach Mandalay.

In Mandalay angekommen sind wir nicht untätig für den Rest des Tages. Wir starten auch hier noch eine Besichtigungstour zu ein paar Tempeln der Stadt.

Wir zahlen beim Besuch des ersten Tempels das Eintrittsgeld von 10 USD. Die Karte hat eine Gültigkeitsdauer von 3 Tagen.

 

Als erstes fahren wir zum Shwenandaw-Kloster.Der imposante Holzbau ist das einzige größere Überbleibsel vom einstigen Kern des Königspalastes und hat bereits zwei Umzüge überstanden. 1782 errichtet wurde es 1857 zerlegt und in Mandalay innerhalb von 2 Jahren wieder aufgebaut. König Thibaw ließ die Anlage 1880 erneut abbauen und außerhalb der Palastmauern wieder errichten, so dass sie dem verheerenden Feuersturm von 1945 entgehen konnte. Er selbst benutzte den Pavillon noch eine Weile zur Meditation, bevor er ihn den Mönchen als Kloster stiftete. 1996 wurde das Bauwerk renoviert und der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht.

Dann geht es zum Atumashi Kloster. Dieses Kloster wurde 1857 von König Mindon errichtet, brannte aber 1890 komplett ab. Es wurde mit Zwangsarbeitern 1996 wieder rekonstruiert, aber ich finde es nicht besonders sehenswert.

Anschließend fahren wir zur Kuthodaw-Pagode.

Sieben Jahre, sechs Monate und 22 Tage sollen 200 örtliche Kunsthandwerker gebraucht haben, um den gesamten Tipitaka als „größtes Buch der Welt“ auf 729 Marmortafeln zu verewigen. Dieses Werk umfasst in drei Teilen die buddhistische Lehre, die bisher immer nur auf Palmblätter geschrieben wurde. Jede Tafel steht in einer eigenen kleinen Pagode.

Zuletzt fahren wir zur Kyauktawgyi-Pagode.

Abends kommt Moe Moe noch beim Hotel vorbei und sie hat gute Nachrichten, denn sie hat in Bagan ein Hotel für uns gefunden. Wir müssen eine Anzahlung von 20 USD pro Zimmer leisten. Finden wir erst komisch, machen wir dann aber. Als Dankeschön für ihre Hilfe geben wir ihr ein „Trinkgeld“ und die Weihnachtsschokolade aus Deutschland. Sie sieht so aus als würde sie gerne Schokolade essen…

Mal wieder geht ein sehr emotionaler und ereignisreicher Tag zu Ende. Wir duschen nur noch und fallen erschöpft ins Bett.

Reiseberichte Burma November 2012

7. Tag / Mandalay

Um 9 Uhr sind wir mit „unserem“ Taxifahrer von vorgestern verabredet. Wir haben ihn mit seinem Taxi für den ganzen Tag gebucht und zahlen dafür 25.000 Kyat. Wir wollen diverse Stationen abfahren bzw. sehen und planen gemeinsam mit ihm die beste Route.  Das Taxi ist so ein kleiner Minipickup mit offener Ladefläche, vollkommen ausreichend für uns. Auf der Fahrt winken uns die Burmesen immer wieder fröhlich zu. Vier westliche Frauen auf einer Ladefläche sehen sie auch nocht sooo oft...

Am Vorabend haben wir alle noch fleißig Postkarten geschrieben und so fahren wir zuerst zur Post, um Briefmarken zu besorgen. Die Briefmarken für die Postkarten sehen wunderschön aus.

Als Nächstes müssen wir noch mal zum Hauptbahnhof zur Touristeninformation, um die Zugfahrkarten abzuholen. Das dauert aus unerklärlichen Gründen eine Weile, obwohl Caroline ja schon dort war und alles bezahlt hat…Wir und unser Taxifahrer machen es uns gemütlich und lesen noch ein bisschen im Reiseführer bzw. Zeitung.

Nachdem wir unsere Zugtickets haben, fahren wir zur  Blattgoldherstellung. In schweißtreibender körperlicher Arbeit schlagen die Männer im Rhythmus das Gold zu dünnen feinen Plättchen, die die Gläubigen an Tempeln kaufen können, um sie auf Statuen bzw. Stupas zu kleben.

Im Nebenzimmer sitzen Frauen und schneiden und binden die Goldplättchen zu kleinen Paketen und eine Frau vergoldet mit den Plättchen grüne Blätter. Das Zehner-Päckchen mit je 4x4 cm großen Stückchen Blattgold kostet laut Reiseführer 4 USD. Bei den Werkstätten handelt es sich meist um Familienbetriebe.

Beim kurzen Stopp zwischendurch an einem Supermarkt entdecke ich Seltsames für Burma: Verkaufsstände mit Weihnachtsartikeln. 90 % der Einwohner des Landes sind Buddhisten und es gibt nur 6 % Christen, 4 % Muslime und 0,5 % Hindus. Aber der Weihnachtskommerz  hält auch hier Einzug. Am Tag meines Abfluges kann ich auch beobachten wie ein Tannenbaum im Flughafen aufgestellt wird…

Als Nächstes fahren wir zur Mahamuni Pagode. Diese Pagode zählt zu den Hauptpilgerstätten des Landes. Die Mahamuni-Statue ist 3,80 m hoch und war ursprünglich eine Bronzefigur. Im Laufe der Zeit wurde sie fast bis zur Unförmigkeit mit Blattgold bedeckt. Es dürfen sich allerdings nur Männer der Statue nähern und Blattgold anbringen. Frauen ist das Betreten des inneren Bereiches verboten.

Der nächste Stopp führt uns wieder zu einem Handwerk, welches auch typisch für Mandalay ist: die Steinmetze. Hier erstehe ich einen kleinen Mamorelefanten als Mitbringsel.

An der Mahamuni Pagode fallen uns ganz viele kleine Stände auf, bei denen man sich durch Handlesen die Zukunft voraus sagen lassen kann. Aber irgendwie traut sich so recht keiner von uns.

Es ist schon wieder Mittag und unser Fahrer führt uns in ein burmesisches Restaurant. Wir laden ihn selbstverständlich ein und er isst mit sichtlichem Appetit, wir aber auch...

Da wir am nächsten Morgen schon um 2:30 Uhr aufstehen müssen, endet dieser Tag recht früh, denn wir müssen mal wieder unsere Taschen packen. Aber wir gehen auf dieser Reise grundsätzlich früh ins Bett. Brigitte und ich müssen selbst manchmal  lachen, wenn wir nach dem Duschen ins Bett steigen und auf die Uhr schauen. Aber wir sind uns da perfekt einig, lesen noch ein wenig, schreiben Reisetagbuch oder ich döse auch gerne so vor mich hin und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Perfekt! Die ganzen Eindrücke müssen ja auch schließlich verarbeitet werden J

Reiseberichte Burma November 2012

8. Tag / Zugfahrt von Mandalay nach Hsipaw

Heute ist Samstag und Brigitte hat Geburtstag. Leider können wir das nicht richtig feiern. Aber Brigitte trägt es mit Fassung. Und wir holen die kleine Feier nach.

Der Wake-up Call erfolgt in Form von heftigem Klopfen gegen unsere Zimmertür. Es ist 2:30 Uhr am Morgen! Schnelle Katzenwäsche im Bad, Zähne putzen, die restlichen Kleinigkeiten in die Tasche schmeißen. Um 3 Uhr wartet unser Taxi an der Rezeption. Wir fahren mit dem kleinen Pick-up durch die laue Nacht, die Straßen sind leer, nur Hunde liegen rum oder laufen umher. Nachts haben sie die Straßen fast für sich alleine. Tagsüber tummeln sie sich auch auf den Straßen, müssen aber ständig den Autos ausweichen.  Ich wundere mich, dass doch ein paar Verkaufsstände ihre Ware auch nachts anbieten.

Seitdem feststand, dass wir mit dem Zug fahren, erzählt Caroline immer mal wieder von ihren Zugfahrerlebnissen in Indien. Von Kindern, die in den Zug springen und alles mitgehen lassen, was nicht niet-und nagelfest ist, von Zügen, die gar nicht kommen oder Stunden zu spät…

Ich bin noch nie in Südostasien mit dem Zug gefahren und rechne also mit dem Schlimmsten und bin umso erstaunter und erfreuter als wir um 03:30 Uhr am Bahnhof eintreffen und unser Zug schon am Gleis steht. Als wir aus dem Taxi steigen bieten sofort Träger für kleines Geld ihre Dienste an, die ich gerne annehme. Der Zug steht auf einem hinteren Gleis und ich bin froh, den schweren Rucksack nicht treppauf und treppab tragen zu müssen. Klappt doch alles super. Am Zug angekommen, wird unser Ticket kontrolliert und wir bekommen unsere Plätze gezeigt.

Der Zug hat 9 USD pro Person gekostet. Und wir haben ein Zugticket für uns alle vier, First class.

Da bis auf 3-4 Burmesen sonst niemand im Abteil sitzt, verteilen wir uns auf die gepolsterten Bänke, wuchten die Taschen auf die Gepäckablagen, öffnen die Fenster und dösen vor uns hin.

Ich beobachte das Treiben auf den Gleisen. Überall liegen Menschen auf Matten unter Decken auf den Bahnsteigen und schlafen.

 Irgendwo schreit ein Baby... In einer Ecke hocken ein paar Jugendliche und tippen auf Ihren Handys bzw. spielen sich gegenseitig Musik vor. Ob die Menschen auf ihren Zug warten oder ob sie hier leben ist mir nicht ganz klar. Der Bahnhof sieht aber relativ sauber aus, wenig bis gar kein Müll, keine Ratten (zumindest sichten wir keine) und Brigitte meint, dass es Wartende sind. Der Gedanke ist mir auch lieber…

Pünktlich um 4 Uhr fährt der Zug los! Gaht doch!

 Es sind noch 3 weitere Westler in den Zug zugestiegen, vermutlich Schweizer. Als der Zug losfährt, holpern und schunkeln wir von rechts nach links und von oben nach unten. Wir müssen lachen…Der Zugwind bläst frische Luft ins Abteil und ich bin froh ein langärmliges T-Shirt und mal wieder mein Kapuzensweatshirt an zu haben. Wir lümmeln und alle irgendwie auf den Sitzen zurecht und versuchen zu schlafen.

Irgendwann wird es hell draußen und wir fahren bei offenem Fenster an wunderschönen Landschaften vorbei. Wir fahren durch das Land der Shan. Es erstreckt sich im Osten des Landes von Nord nach Süd. Wir fahren nach Hsipaw in den Norden.

 Burma ist ein Vielvölkerstaat und eines der ethnisch vielfältigsten Länder Südostasiens. Es gibt 135 offiziell anerkannte Volksgruppen. Die 135 Ethnien werden in acht Hauptgruppen aufgeteilt: die Kachin, die Shan, Kayah, Kayin, Mon, Bamar, Rakhine und die Chin.

Ich bin sofort verliebt in das Land der Shan: Grün soweit das Auge reicht, im Hintergrund sieht man Berge. Alles ist bedeckt von gelben kleinen Sonnenblumen. Es scheint ein sehr fruchtbares Land zu sein. Überall neben den Gleisen sieht man Felder, auf denen Gemüse angebaut wird bzw. Reisfelder.

Wir haben natürlich auch Glück, da wir im November, unmittelbar nach der Regenzeit, das Land bereisen. Alles ist grün und blüht und Caroline meint, dass alles so appetitlich aussieht…

Ich fotografiere viel aus dem offenen Zugfesnster...

Ich genieße also sehr diese rumpelige Zugfahrt und kann gar nicht genug bekommen von der Aussicht. Das witzige ist, dass natürlich entlang der Bahngleise das Grün nicht beschnitten wird wie in Deutschland üblich, so dass der Zug als natürlicher „Rasenmäher“ funktioniert. Die ganze Fahrt über fliegen Zweige durchs Fenster und der Grünschnitt landet im Abteil. Ab und zu müssen wir immer unsere Hosen und Sitze von zerfetzten Blättern und Blüten befreien. Einmal bekomme ich einen Ast ins Gesicht und Brigitte ein Stück Blatt ins Auge, was natürlich weh tut…

Der Zug hält an vielen Bahnhöfen und Frauen und Kinder bieten ihre Ware an. Sie gehen die Abteile entlang, um auf sich aufmerksam zu machen und rufen ihre Ware aus: gekochte Wachteleier, Nüsse, Bananen und andere Früchte sowie kleine Snacks. Meistens dauern die Stopps eine Weile, so dass man getrost aussteigen kann. Caroline besorgt sich Tee und bekommt ihn in einer Tüte mit Strohhalm.

Ich steige auch aus, um mir die Beine zu vertreten und beobachte die Menschen im Zug und sie mich scheinbar auch.

Auf der anderen Seite des Zuges kann ich Hunde beobachten, die im Müll nach fressbarem suchen und kleine Kinder bieten Getränke an. Mädchen laufen mit ein oder zwei Getränken in der Hand den Zug auf und ab und versuchen, etwas zu verkaufen. Ich entdecke einen kleinen Jungen, der mit der einen Hand einen vollgefüllten schweren Wassereimer den Zug entlang schleppt und in der anderen Hand hält er einen Plastikbecher. Er bietet becherweise Wasser zum Trinken an und ruft das auch vor sich hin. Diese Szene macht mich unendlich traurig. Keiner kauft einen Becher und er bleibt irgendwann vor unserem First Class Abteil stehen. Er sieht desillusioniert und verträumt aus, irgendwie ganz weit weg. Er starrt geistesabwesend vor den Zug und ab und zu fällt ihm ein, dass er ja was verkaufen muss und dann ruft er ganz monoton. Hoffentlich verbessert sich auch seine Lebenssituation aufgrund der Veränderungen in Burma. Müssten er und die Mädchen nicht um diese Zeit am Tag zur Schule gehen? Irgendwann verteilt ein Westler Kugelschreiber an den Jungen und die Mädchen aus dem Fenster. Sie nehmen sie entgegen, aber richtige Freude ist auf den Gesichtern irgendwie nicht zu erkennen. Ich bin irgendwie froh, als der Zug weiterfährt.

 Am Bahnhof Pyin Oo Lwin steigen viele Westler in den Zug. Sie möchten den kommenden Streckenabschnitt mitfahren, da wir bald über das berühmte Gokteik Viadukt fahren. Das Abteil ist fast voll. Es ist die berühmteste Eisenbahnbrücke in Myanmar. Sie wurde 1901 eröffnet.  Der Zug fährt über die mittlerweile renovierte Brücke höchst vorsichtig im Schritttempo. Als das Viadukt in Sichtweite kommt, stürzen sich alle auf die eine Zugseite und machen Fotos. Ich kann sitzen bleiben, denn ich habe die Brücke auf meiner Seite…

Viele Bahnliebhaber sind in der Bahn und fotografieren die verrücktesten Sachen. Caroline berichtet von einem, der ein Tonbandgerät dabei hat und Geräusche aufnimmt…

Die Zugfahrt nimmt kein Ende und ich verkneife mir die ganze Zeit den Gang zu Toilette bzw. ich muss gar nicht, da ich fast nichts getrunken habe…vorsichtshalber…

Ich habe zu Beginn der Fahrt  den Drang, mal den Kopf aus dem Fenster während der Fahrt zu stecken, aber Brigitte macht mich eindrücklich darauf aufmerksam, dass das keine gute Idee ist, denn schnell  knallt der Kopf an einen Pfosten…die Sicherheitsabstände sind hier nicht so wie in Deutschland… Na gut…Ich bin lernfähig und behalte meine Gliedmaßen im Zug!

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal erwähnen, dass Brigite Ärztin ist und schon in mehreren Ländern in Südostasien im Einsatz war und derartige "Unfälle" schon notversorgen musste...

Nach 11 Stunden Fahrtzeit erreichen wir um um kurz nach 15 Uhr endlich Hsipaw.

Die Stadt liegt außerhalb der normalen Touristenroute und wird von vielen Touristen als Startpunkt für Trekkingtouren genutzt.  Am Bahnhof warten jede Menge Taxis aller Art (Autos, Motorräder, eine Art Trecker, Pick ups) darauf, die Gäste zu ihrem Hotel zu fahren. Wir nehmen zu viert den Pick up und fahren zu unserem Hotel „Mr. Charles“. Als wir ankommen entdecken wir, dass wir nicht die einzigen mit diesem Ziel sind. Das Hotel ist voller westlicher Backpacker. Das Zimmer kostet 35 USD pro Nacht und das Hotel bietet auch organisierte Touren, meist Trekkingtouren, an. Aber darum kümmern wir uns morgen. Das Prospekt stecken wir uns aber schon mal ein, um zu schauen, was so angeboten wird.

Nach einer kurzen Sichtung des Zimmers und einer Pause auf dem Bett, laufen Brigitte und ich noch durchs Städtchen, um im Hellen noch mal schnell die Lage zu peilen. Ab 6 Uhr abends ist es stockdunkel und man benötigt eine Taschenlampe und gute Augen, um sicher die Straße entlang zu laufen, da die Bürgersteige oft zugestellt sind und man auf die Straße ausweichen muss und überall große Löcher oder ähnliches in der Straße sind, also viele Stolperfallen.

Wir entdecken einen Laden, der so ziemlich alles anbietet und hier besorgen wir uns eine Riesenrolle Toilettenpapier. Das Toilettenpapier auf den Hotelzimmern ist meist viel zu wenig und von ganz schlechter  Qualität. Es zerbröselt beim Benutzen…Das Toilettenpapier, was wir jetzt gekauft haben, sieht ganz stabil aus…Es wird uns eine Weile auf der Reise begleiten…

Später  finden wir ein chinesisches Restaurant und wir stoßen mit Bier und Cola auf Brigittes Geburtstag an. Fazit: Das Zugfahren hat doch gut geklappt, besser als gedacht. 

Reiseberichte Burma November 2012

9. Tag / Hsipaw

Wir haben beide gut geschlafen und stehen ausgeruht um 07:00 Uhr auf. Nach dem Gang ins Bad ziehe ich mich an und überlege, dass ich heute die Trekkingschuhe anziehe. Als ich so barfuß im Schuh stecke, merke ich wie sich vorne im Schuh etwas bewegt. Blitzschnell ziehe ich meinen Fuß wieder aus dem Schuh…Eine Kakerlake hat es sich über Nacht im Schuh gemütlich gemacht. Meinen Adrenalinschub für den Tag habe ich  jetzt bekommen. Meine Güte habe ich mich erschrocken!

Frühstück gibt es draußen vor dem Hotel. Als wir frühstücken gehen herrscht schon reges Treiben vor dem Hotel. Der Guide läuft umher und macht die Touren für den Tag klar. Wir reservieren zu dritt die Halbtagestour mit dem Boot und kleiner Wanderung.

Um 09:00 Uhr geht es los. Brigitte klinkt sich aus, da sie eine längere Tour laufen möchte. Aber eine Alleinreisende, Elisabeth, ist bei unserer Tour dabei, so dass wir zu viert sind. Nach der Personenzahl richtet sich auch der Preis. In unserem Falle jetzt 9000 Kyat pro Person.

Wir laufen zu Fuß zur Bootsanlegestelle.

Die Bootsfahrt auf dem Duthawady dauert ca. 1 Stunde. Der Motor knattert und qualmt…Der Burmese am Motor hat sich auch direkt mal ne Fluppe angemacht. Fällt bei dem ganzen schwarzen Qualm auch nicht weiter auf...

Vom Boot aus kann man wunderbar das Treiben am Fluss beobachten.

Die einen waschen ihre Wäsche, die anderen lassen ihre Wasserbüffel baden und wieder andere nehmen selbst ein Bad...

In den Hängen am Flussufer entdecken wir auch ein Kloster, malerisch am Hang gebaut.

Die Wurzeln vieler Bäume sind total ausgespült...und viele kleine Dörfer tauchen rechts und links am Ufer auf.

An einem sehr schlammigen Stück Flussufer wird unser Boot festgemacht und wir steigen nacheinander den steilen Hang hinauf. Zu Beginn des Weges begegnen wir einer älteren Dame, die hier alleine in einer Hütte lebt und tagsüber die Feldarbeiter beherbergt.

Hier in der Gegend wird unter anderem Mais angebaut. Später erfahren wir, dass die Maiskörner aus China kommen und genmanipuliert sind. Er vermehrt sich nicht. Den Mais bekommen die Bauern vor Ort nicht verkauft, also wird er wieder nach China exportiert. Die Chinesen bestimmen die Preise. Sie bieten zu Beginn hohe Preise als Lockangebot und wenn viele Bauern den Mais anbauen, werden die Preise gedrückt. Die Bauern verdienen einen Hungerlohn und ihnen fehlt  das Land für den Anbau eigener Saaten bzw. Pflanzen.

Unser Guide läuft voran durch Felder und Plantagen und wir hinterher. Es ist sehr heiß und wir gehen langsam.

Zwischendurch bestaunen wir die Vegetation und den Anbau von Früchten aller Art.

 Nach ca. 45 minütiger Wanderung besichtigen wir ein 150 Jahre altes Kloster mitten im Grünen.

Wir kommen gerade zur Mittagszeit. Die kleinen Mönchskinder beten vor dem Essen und verschwinden dann alle in den Speiseraum. Wir werden auch aufgefordert uns zu setzen und bekommen Wassermelone und Tee angeboten. Die Pause tut gut. Wir lassen alle nach der Besichtigung eine kleine Spende dort.

Gestärkt und ausgeruht machen wir uns auf den Rückweg und besuchen einen Reisbauern.

Die Familie heißt uns herzlich willkommen. Sie schneiden uns eine frische Ananas auf und es ist die beste Ananas, die ich seit ewigen Zeiten gegessen habe, süß und saftig.

Ich darf noch den Arbeiter der Familie, einen Chinesen, fotografieren und entdecke die Reisbäuerin im Feld, auch ein wunderbares Fotomotiv.

Nach ein bisschen Smalltalk machen wir uns aber auch schon wieder auf den Weg.

Wir klettern zurück ins Boot und halten auf dem Rückweg an einem Shan-Dorf. Wir schlendern gemütlich durch das Dorf, was einen sehr ordentlichen und sauberen Eindruck auf uns macht.

Unser Guide erklärt uns den typischen Baustil der Shan und wir können auch den dorfeigenen Natschrein bewundern.

Das Dorf liegt an einem Ende am Fluss und an anderer Stelle fährt die Bahn durch das Dorf. Am Kiosk des Bahnhofes machen wir eine kleine Pause und kaufen uns etwas zu Trinken. Ein paar Kinder kommen erst schüchtern angelaufen, haben dann aber sichtlich Spaß an dem Spiel: Ich mache ein Foto und zeige es euch dann. Das wiederholen wir ein paar Mal…

Auf dem Rückweg drehen wir mit dem Boot eine kleine Schleife an einem unspektakulären Wasserfall.

Die Fahrt zurück dauert auch eine Stunde.

Im Hotel angekommen machen wir nur eine kleine Pause und möchten noch ein bisschen Sightseeing machen. Es dämmert schon, aber morgen fahren wir schon weiter und wir wollen den Tag nutzen. Wir buchen schnell noch im Hotel einen Platz im „Share Taxi“: pro Platz im Auto 15.000 Kyat nach Pyin Oo Lwin.

Beim Laufen durch die Straßen, begegnen wir wieder Elisabeth, die mit uns die Halbtagestour gemacht hat. Sie hat die Idee noch zum Shan-Palast zu gehen und wir schließen uns an. Nach ein paar Irrwegen finden wir das Grundstück. Auf dem Weg dorthin pflücken uns Kinder noch Blumen. Wir bekommen jeder eine Blüte. Süß!

Das Grundstück ist umzäunt und das Tor ist zu. Hmmm, Pech gehabt…Einer von uns versucht das Tor zu öffnen. Es geht auf! So ganz geheuer ist uns das nicht, aber wir gehen die Auffahrt vor zum großen Haus. Auf einmal kommen viele Hunde kläffend auf uns zu gerannt. Ich bleibe lieber mal stehen und rühre mich nicht von der Stelle. Durch das Gekläffe kommt plötzlich eine Frau aus dem Haus auf uns zu. Sie fragt, was wir möchten und als wir unser Anliegen erklären, bittet sie uns trotzdem ins Haus, obwohl die Besuchszeit vorbei ist. Sie bittet uns Platz zu nehmen und holt ihre Mutter. Laut meinem Loose-Reiseführer kann man das Haus gar nicht besichtigen, aber seit ein paar Monaten geht es wohl doch. Die Mutter kommt schließlich und erzählt uns anhand Fotos die Familiengeschichte.

Der Palast gehört zu den wenig erhaltenen und bewohnten Residenzen der Shan-Fürsten. Nachdem der Hausherr inhaftiert wurde, galt das Haus als geschlossen. Im Rahmen der Öffnung des Landes kann man es wieder besichtigen und die Familie wird im Moment nicht mehr vom Militär bedroht.

Es gibt ein Buch zur Familiengeschichte:  „Dämmerung über Birma-Mein Leben als Shan-Prinzessin.“: Inge Sargent glaubt, sich in einem Märchen wiederzufinden, als sie 1953 mit ihrem birmesischen Ehemann im Hafen von Rangun einläuft und mit fürstlichen Ehren willkommen geheißen wird. Erst jetzt nämlich erfährt die junge Österreicherin, dass ihr Mann Sao Kya Seng, den sie als Studentin in den USA kennen gelernt hat, nicht nur Bergbauingenieur ist, sondern auch Prinz des birmesischen Bergstaates Hsipaw und Oberhaupt der Shan. Inge ist somit die "Mahadevi", die Himmelsprinzessin.

Schon bald sucht sie sich eigene Aufgaben. Sie lernt Shan und Birmesisch, macht sich mit den Traditionen vertraut und engagiert sich in sozialen Projekten.
1962 findet das fortschrittliche Märchen ein grausames Ende: Sao Kya Seng wird nach dem Militärputsch verschleppt und ermordet; Inge Sargent gelingt mit ihren beiden Töchtern die Flucht in die USA. Bis heute wird sie als letzte Mahadevi von den Shan verehrt“.

Was für eine Geschichte...

Unglaublich dass eine Nachfahrin der Familie jetzt vor uns sitzt. Sie nimmt sich viel Zeit und erklärt uns, dass Inge Sargent zwar wieder lose Kontakt zur Familie in Hsipaw hat, aber nicht einreisen darf. Wir lassen alle eine kleine Spende als Dankeschön für den späten abendlichen Besuch da. Als wir das Haus verlassen, ist es stockdunkel und wir leuchten uns mit Taschenlampen den Weg zurück zum Hotel bzw. Brigitte und ich schlendern noch mal ins chinesische Restaurant vom Vortag.