Reiseberichte Burma 2012

13. Tag / Mandalay, Amarapura und Inwa

Um 8 Uhr treffen wir uns mit dem Fahrer, mit dem wir in Mandalay schon unterwegs waren.             

Als erstes fahren wir zum Geldwechseln. Caroline und Brigitte brauchen Nachschub an einheimischer Währung.

Anschließend fahren wir zum Shwe In Bin-Kloster. Dieses Teakholzkloster wurde 1895 von zwei reichen chinesischen Jade-Kaufleuten gestiftet. Hier gibt es viele wunderschöne Schnitzereien an den Balustraden und Dachgesimsen.

Vor jedem Kloster und Tempel gilt natürlich die Regel: Schuhe ausziehen!

Auch von innen ist das Kloster sehr sehenswert.

An einer dunklen Stelle entdeckt Brigitte einen riesengroßen Schmetterling, der kopfüber an der Wand hängt.

Anschließend geht es weiter zum Jademarkt. Vor dem Eingang ist es schon recht wuselig und an den hunderten von Mopeds können wir schon erahnen, dass es im Markt voll sein wird.

Im Markt muss ich aufpassen, dass ich Brigitte nicht aus den Augen verliere. Mein Orientierungssinn ist nicht gut und ich habe Sorge, mich in den vielen Gängen mit den Massen an Menschen zu verlaufen. Überall stehen und sitzen Burmesen. Jade wird hier geschliffen, verkauft und gehandelt.

Unser nächstes Ziel ist Amarapura. Die Stadt liegt 11 km südlich von Mandalay und der aus dem Sanskrit stammende Name bedeutet „Stadt der Unsterblichkeit“. Es dauert eine Weile bis wir mit unserem Taxi angekommen sind. Wir sind hauptsächlich wegen der berühmten U Bein-Brücke hier. Es ist die längste Teakholzbrücke der Welt. Sie ist 1,2 km lang und führt über den Taungthaman-See. Wir haben den Ehrgeiz einmal über die Brücke zu laufen. Leider sind wir genau in der Mittagshitze unterwegs. Die Burmesen schützen sich mit Schirmen vor der Sonne und wir holen unsere Hüte raus. Da ich meinen zu Hause vergessen habe, leiht mir Brigitte ihre Kopfbedeckung, später kaufe ich mir selbst einen zusammenklappbaren Hut. Damit werde ich keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, aber bekomme auch keinen Sonnenstich...Also egal...

Am anderen Ende der Brücke liegt sofort die Shin Pin Shwe Gu Pagoda. Wir sind alle sehr erschöpft und durstig bzw. hungrig, ziehen dann aber doch unsere Schuhe aus, um einen Blick hinein zu werfen.

 In einer Ecke

 sitzt Buddha unter einer Schlange. Dieses Motiv findet man oft in Tempeln. In der buddhistischen Mythologie beschützte der Nagakönig Mucalinda den Buddha in seiner mehrere Wochen dauernden Meditation vor Regen und Unwetter, indem er seine vielen Köpfe wie einen Schirm über ihn breitete. Das Wort Naga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Schlange.

Ich brauche immer eine Weile, bis ich alle Buddhas und Statuen etc. fotografiert habe. Und wie ich so über das kleine Gelände laufe, entdecke ich, dass an die Pagode eine Schule angrenzt. Ich blicke über den Zaun und sehe den Kindern beim Spielen zu.

Die Kinder haben die für Burma typische Thanakapaste im Gesicht. Die Paste besteht aus geriebenem Sandelholz und Wasser. Sie schützt die Haut vor Sonne, Schmutz und Austrocknung. Die Herstellung der Paste erfolgt, in dem das Holz auf einer Steinplatte gerieben wird. Man kann es aber auch schon fertig in Döschen kaufen.

Gegenüber dem Tempel stärken wir uns erst mal mit Getränken. Brigitte und ich haben keine Lust zu Fuß den Weg über die Brücke zu gehen. Wir entscheiden uns ein Boot zu nehmen. So haben wir auch noch mal eine andere Perspektive auf die Brücke. Bevor wir allerdings ins Boot klettern, erstehe ich mir für umgerechnet 2 EUR einen eigenen Hut. Den lasse ich gegen Ende der Reise im Hotelzimmer liegen, denn er hat für mich seinen Dienst erfüllt. Vielleicht kann ihn hier noch jemand gebrauchen. So halte ich es auch mit dem Großteil meiner T-Shirts o.ä.. Ich nehme gerne T-Shirts oder Hosen mit auf Reisen, die ich zu Hause nicht mehr anziehe. Beim jedem Verlassen eines Hotelzimmers lasse ich immer mehr Ballast zurück, lege das Kleidungsstück ordentlich gefaltet auf das Kopfkissen mit ein bisschen Trinkgeld. Brigitte hält es genauso. Das schafft auch Platz im Rucksack für die neu gekauften "Stehrümchen" :-)

Wir sind nicht die einzigen Touristen, die das Boot nehmen wie wir den unzähligen Booten am Ufer entnehmen können.

Überall stehen Souvenirhändler und wir werden sehr oft angesprochen, ob wir denn nichts kaufen möchten. Doch, ich will ganz viel kaufen, aber ich halte mich zurück, denn zu Hause fliegt es dann manchmal nur rum und dafür ist es zu schade. Ab und zu kaufe ich doch etwas. May hatte uns zu Beginn der Reise eingeschärft immer nur maximal die Hälfte von dem zu bezahlen, was uns als Preis genannt wird. Das klappt aber nicht immer…Ich kann schlecht handeln und meist bezahle ich bestimmt viel zu viel.

Jetzt fahren wir weiter nach Inwa. Auf dem Weg dorthin möchten wir aber unbedingt etwas Essen gehen. Direkt an der Bootsanlegestelle nach Inwa liegt ein nettes Restaurant mit Blick auf eine schöne Landschaft. Hier sind einige Touristen, die sich während ihrer Sightseeing-Tour eine Pause gönnen.

 

Mit der Bootsfähre setzen wir über den Fluß Myitnge. Der Preis für das Übersetzen liegt bei 1000 Kyat pro Person.Der Bootsfahrer ist guter Dinge und die Fahrt dauert nur ein paar Minuten.

Am anderen Ufer angekommen gibt es auch hier für die Touristen eine Pferdekutsche für das übliche Sightseeing Programm.

Die Pferdekutsche kostet für die ca. 2,5 Stunden dauernde Tour 6000 Kyat. Ich nehme mit Brigitte eine Kutsche. Am Ende geben wir dem Fahrer 8000 Kyat, also noch etwas Trinkgeld.

Zuerst sehen wir die Yadana See Mee-Pagode. Mehrere hübsche Buddhastatuen sind umgeben von Mauerresten, Stupa-Stümpfen und Überbleibseln einer Säulenhalle.

 

Die Buddhas bei dieser Pagode haben alle die Körperhaltung (Asana) im Meditationssitz und die Handhaltung der Erdberührung (Bhumisparsha-mudra). Diese Handhaltung (Mudra) erinnert an die Versuchung durch Mara kurz vor Buddhas Erleuchtung. Mara ist die Verkörperung der Leidenschaften und des Begehrens. Um seine Standhaftigkeit zu bezeugen, berührt Buddha mit seiner rechten Hand die Erde.

Als nächstes fahren wir mit der Kutsche zum Bagaya-Kloster.

Hier müssen wir noch mal das Eintrittsgeld für Mandalay bezahlen, da unser altes Ticket abgelaufen ist.

Das Ticket hat immer nur eine Gültigkeit von drei Tagen.

Das 1834 errichtete Kloster wurde fast komplett aus besonders dunkel wirkendem Teakholz erbaut. Es gilt als eines der schönsten in Myanmar, da es weitestgehend vor Naturkatastrophen und Eingriffen von Restaurateuren verschont geblieben ist.

Zwischendurch tauchen am Wegesrand immer wieder schöne Fotomotive auf.

Als letzter Besichtigungspunkt auf unserer Tour durch Inwa ist das Maha Aung Mye Bonzan-Kloster an der Reihe.

Das Kloster stammt aus dem Jahr 1818 und die Schäden von dem Erdbeben 1838 wurden hier im Jahre 1873 von der Königstochter Hsinbyumashin wieder behoben. Aber auch das Erdbeben vom Tag meiner Anreise hat wieder Schäden verursacht.

Am Ende dieser Tour setzen wir wieder mit dem Boot über den Fluss wo auf der anderen Seite schon unser Taxi wartet. Wir düsen durch die Dämmerung nach Hause und halten nur noch mal kurz an einer Seidenweberei und gehen in das gegenüber liegende Geschäft zum Stöbern.

Die Rückfahrt nach Hause bzw. zum Hotel dauert relativ lange. Dadurch dass unser Taxi hinten wie ein Pick up offen ist, sind wir den ganzen Tag während der Fahrt dem „Straßendreck“ und -lärm ausgeliefert. Ich bin froh als ich abends im ruhigen Hotelzimmer unter der Dusche stehe.

Reiseberichte Burma November 2012

12. Tag / Pyin Oo Lwin und Fahrt zurück nach Mandalay

Da die Fahrt zurück nach Mandalay nicht lange dauert und es Caroline noch immer nicht so hundertprozentig gut geht und sie noch so gut wie nichts von der Stadt gesehen hat, entscheiden wir, erst um 14 Uhr ein Share-Taxi zu bestellen. So kann Caroline noch mit zur Tempelbesichtigung kommen und auch mal mit der Kutsche fahren. Das Hotel sieht das nicht so eng mit der Zeit zum Auschecken, so dass wir unser Gepäck im Zimmer lassen können.

Das Hotel besorgt uns eine Pferdekutsche, denn wir wollen uns noch die etwas außerhalb gelegene Mahan-Thoo Kanthar-Pagode anschauen. Die Hin-und Rückfahrt kostet 10.000 Kyat.

Der Tempel liegt wunderschön und von der Anhöhe aus hat man einen tollen Blick auf die Landschaft mit den Bergen im Hintergrund.

Aber es ziehen schon wieder dunkle Wolken auf, die sich dramatisch über dem Tempel sammeln.

Der Tempel von innen ist sehr sehenswert mit einem riesigen Buddha vor dem die Burmesen beten.

Anschließend laufen wir durch den Garten, der am Hang des Tempels gebaut wurde, zurück zu unserer wartenden Pferdekutsche.

Wir entdecken schöne Schmetterlinge und der Weihnachtsstern steht auch in voller Blüte.

Um 14 Uhr steht pünktlich unser Taxi vor dem Hotel. Der Preis ist höher als uns am Vortag gesagt wurde, aber was sollen wir machen. Wir bekommen jetzt so auf die Schnelle auch kein anderes Taxi. Wir zahlen pro Sitz im Auto 6500 Kyat bzw. Der Sitz vorne kostet 7000 Kyat. Die Fahrtzeit dauert nur 1,5 Stunden. Der Fahrer tritt ordentlich aufs Gaspedal und wir sagen ihm mehrfach, dass wir es nicht so eilig haben. Ich sitze hinten in der Mitte und halte mich an der Eisenstange fest, die hinter die Vordersitze angebracht wurde.

Wir checken mal wieder im Golden Country Hotel in Mandalay an, dass Wing Aung uns noch mal für 3 Nächte gebucht hat. Brigitte und ich laufen nach der Zimmerbesichtigung  die Straße rauf, um Wasser zu kaufen. Bei der Hitze muss man viel trinken und außerdem benötigen wir das Wasser ja auch zum Zähneputzen. Die Hotels verkaufen zwar auch Wasser, aber meist zum doppelten Preis.

Gegenüber vom Hotel ist ein Internetcafé und an der Ecke ist ein nettes Restaurant mit „Biergarten“. Wir checken erst mal unsere mails und gehen dann etwas Essen. Ich bestelle mir gebackenes Hühnchen mit süß-saurer Soße dazu Reis und Brigitte nimmt Kartoffelscheiben mit scharfer Soße. Beides schmeckt richtig lecker.

Reiseberichte Burma November 2012

11. Tag / Pyin Oo Lwin

Heute wollen beide Brigittes und ich zum Botanischen Garten. Laut meinem Reiseführer dient der Botanische Garten oft als Kulisse für einheimische Werbe-und Filmaufnahmen. Er wurde bereits 1917 von 4000 türkischen Kriegsgefangenen am Kandawgyi-See angelegt.

Wir nehmen wieder die Pferdekutsche, Preis 3000 Kyat.

Eintritt im Botanischen Garten: 5 USD.

Wir bekommen einen Plan ausgehändigt, aber dank der Ausschilderung können wir uns auch so orientieren.

 Wir lassen uns treiben und bummeln durch den Park, der sehr schön angelegt ist.

Irgendwann entdecken wir den Steingarten incl. des Fossilienmuseums. Ein älterer Herr macht einen kleinen Rundgang mit uns und erklärt uns etwas zu den Steinen. Es gibt ganz viel versteinertes Holz. Wunderschön und sehr sehenswert!

Irgendwann finden wir das Highlight des Parks, den Bambuspark.  Bambus ist in Burma weit verbreitet und er kommt mit 100 Arten häufiger vor als in irgendeinem anderen Land außerhalb Chinas.

 Dann sehen wir die Takins. Die Tiere stammen ursprünglich aus dem Himalaya und lassen sich gerne von uns mit dem Kohl füttern, der in Bergen neben den Käfiganlagen liegt.

Nachdem wir die Tiere ausgiebig bestaunt haben, gehen wir durch den Vogelpark. Leider fängt es an zu regnen, so dass wir uns einen Unterstand suchen müssen. Vorher aber sehe ich noch den Nationalvogel von Burma, den Pfau.

Der Regen scheint nicht aufhören zu wollen und so entscheiden wir uns, durch den Regen zum Café im Park zu rennen. Im Café/Restaurant bestellen wir uns gebratene Cashewnüsse, Pommes und Frühlingsrollen mit süß-saurem Dip. Es schmeckt alles köstlich.

Leider bleibt das Wetter durchwachsen und wir entscheiden erst mal mit der Pferdekutsche zurück zum Hotel zu fahren. Von dort aus nehmen wir noch mal die Kutsche, um zum Markt zu fahren.

Wir bummeln noch mal über den Markt, Brigitte kauft sich einen Longhi, um sich aus dem Stoff zu Hause etwas anderes Schönes zu nähen.  Longhi heißt der „Rock“, den die Burmesen tragen.

Auf dem Markt gibt es buchstäblich alles zu kaufen: Kleidung, Lebensmittel, Kosmetikartikel, Haushaltswaren…In einem Gang entdecken wir auch Frauen an Nähmaschinen.

Und es gibt jede Menge zu essen, entweder in kleinen Restaurants oder an Garküchen zum Mitnehmen.

Nach dem Bummel über den Markt gehen wir in das „Golden Triangle Restaurant and Bakery“. Hier waren Brigitte und ich am Vortag schon und hier lassen wir es uns im gemütlichen Ambiente schmecken. Ich bestelle mir eine vegetarische Pizza, die ich sehr genieße.

Anschließend fahren wir ins Hotel zurück, natürlich wieder mit der Kutsche für 3000 Kyat.

Reisebrichte Burma November 2012

10. Tag / Fahrt von Hsipaw nach Pyin Oo Lwin

Heute ist ein entspannter Tag. Nach dem Frühstück geht es um 9 Uhr mit dem Taxi auf nach Pyin Oo Lwin. Das Taxi steht vor dem Hotel. Als wir mit unserem Gepäck zum Taxi gehen, stellen wir fest, dass der Fahrer das Auto schon voll beladen hat und er will unser Gepäck auf dem Autodach festschnallen. Caroline wehrt sich empört, denn nach dieser Fahrt können wir unsere Sachen wegschmeißen…Wir haben ja schließlich bezahlt pro Sitzplatz…Ist doch klar, dass wir Gepäck haben. Wenn er meint, dass er noch zusätzlich Waren transportieren muss, soll er die doch aufs Dach packen. Das macht er dann auch mürrisch nach einigem Hin-und Her…Irgendwie ist der mir nicht sympathisch.

Wir fahren auf der berühmten Burma-Road, die von Mandalay über Hsipaw und Lashio bis nach China führt. Auf der Straße findet ein reger Warenaustausch statt. Sehr viele LKWs und Kleintransporter sind unterwegs. Aber unser Fahrer fährt super, überholt mal von rechts, mal von links…egal…Er fährt zügig, aber entspannt. Er schmeißt beim Vorbeifahren an jedem Tempel immer einen Geldschein aus dem Fenster. Da sitzen dann Frauen, die die Scheine der Autofahrer einsammeln. Hab ich auch noch nie gesehen, aber das macht ihn mir wieder sympathischer.

Die Pluspunkte verliert er aber wieder, da er sich ununterbrochen Bethelnüsse  in den Mund schiebt. Das ist eine Gesellschaftsdroge in Myanmar. Die Nüsse kommen von der Arecapalme und werden in ein mit Kalk bestrichenes Blatt gerollt. Das stecken sich die Burmesen dann in den Mund bzw. in die Backentaschen. Es verursacht rotschwarz verfärbte Zähne. Der komplette Zahnschmelz geht kaputt. Das kauen dieser Droge führt dazu, dass die Leute sich freier und unbeschwerter fühlen, das Hungergefühl wird unterdrückt. Der Speichel im Mund verfärbt sich blutrot und unser Fahrer spuckt in regelmäßigen Abständen aus dem Fenster.  Überall in Burma spucken die Leute diesen blutroten Speichel um sich, so dass man manchmal das Gefühl hat, dass überall jemand blutend rote Flecken hinterläßt. Man erkennt sofort an den Zähnen, wenn jemand dieser Betelnuss  verfallen ist. Der Mundraum sieht aus wie aus einem Horrorfilm.

 Nach der Hälfte der Fahrt machen wir eine Pause. Unser Fahrer wäscht das Auto und lässt einen Wasserschlauch zur Kühlung über den Motorraum laufen.

Nach 4 Stunden Fahrt kommen wir beim Eden Motel in Pyin Oo Lwin an.

Die Kontakttelefonnummer für das Motel hatten wir von May. Na ja, das Motel  hat definitiv Sanierungspotential, aber ist o.k., Preis: 30 USD.

Viele der Bauten in Pyin Oo Lwin stammen aus der britischen Kolonialzeit. Unser Motel sieht auch so aus.

Das Zimmer ist von innen auch o.k. Fies finde ich nur immer diese Wolldecken aus China. So oft werden die, glaube ich, nicht gewaschen. Ich versuche nachts den Kontakt mit der Wolldecke zu vermeiden. Die Kopfkissen sind so hoch, dass ich fast senkrecht im Bett sitze…

Anlässlich ihres Geburtstages lädt uns Brigitte noch mal alle nachträglich zum Kaffee ein. Sie hat Christstollen aus Deutschland mitgebracht und zu Viert setzen wir uns auf die Terrasse vor unserem Zimmer und lassen uns den Kuchen schmecken. Den Kaffee machen wir selbst dank mitgebrachtem Tauchsieder und Instantkaffee.

Anschließend bummeln wir durch die Stadt, um mal einen Eindruck und eine Orientierung zu bekommen. Aber so richtig blicken wir nicht durch. Egal wen wir fragen. Keiner kann uns sagen wo es ins Zentrum geht. Wir entscheiden uns irgendwann einfach für eine Richtung und laufen los. Wir sind auf der Suche nach frischem Obst.

Wir entdecken ein Internetcafé und ich nutze die Gunst der Stunde. Es dauert bei mir ein bisschen länger und meine Damen machen es sich draußen vor der Tür bequem…

Ich muss lachen als ich rauskomme und sie da sitzen wie bestellt und nicht abgeholt…

Caroline ist es nicht so gut und sie geht zum Hotel zurück. Brigitte begleitet sie. Meine Brigitte und ich bummeln weiter durch die Stadt.

In der rund 80.000 Einwohner zählenden Stadt leben heute noch einige Tausend Inder und Gurkhas als Nachfahren britischer Armeeangehöriger.

Nach weiterem Fußmarsch entdecken wir den Purcell Tower, auf dem Foto hinten links. Rechts ist noch eine Moschee. Es droht jeden Augenblick zu regnen und es sieht nicht nach nur drei Tropfen aus…

Wir wollen schnell zum Motel zurück, aber wir haben keine Lust mehr zu laufen.

Den öffentlichen Nahverkehr regeln hier Pferdekutschen. Wir entdecken eine und steigen ein. Der Preis beträgt 2000 Kyat bis zum Motel.

Sonst passiert nichts Weltbewegendes…Doch!!!  Barack Obama ist heute zu Besuch in Myanmar! Die Zeitungen sind in den nächsten Tagen voll davon. Ein ganz wichtiges Ereignis für die Burmesen!

 

 

 

 

 

 

Reiseberichte Burma November 2012

9. Tag / Hsipaw

Wir haben beide gut geschlafen und stehen ausgeruht um 07:00 Uhr auf. Nach dem Gang ins Bad ziehe ich mich an und überlege, dass ich heute die Trekkingschuhe anziehe. Als ich so barfuß im Schuh stecke, merke ich wie sich vorne im Schuh etwas bewegt. Blitzschnell ziehe ich meinen Fuß wieder aus dem Schuh…Eine Kakerlake hat es sich über Nacht im Schuh gemütlich gemacht. Meinen Adrenalinschub für den Tag habe ich  jetzt bekommen. Meine Güte habe ich mich erschrocken!

Frühstück gibt es draußen vor dem Hotel. Als wir frühstücken gehen herrscht schon reges Treiben vor dem Hotel. Der Guide läuft umher und macht die Touren für den Tag klar. Wir reservieren zu dritt die Halbtagestour mit dem Boot und kleiner Wanderung.

Um 09:00 Uhr geht es los. Brigitte klinkt sich aus, da sie eine längere Tour laufen möchte. Aber eine Alleinreisende, Elisabeth, ist bei unserer Tour dabei, so dass wir zu viert sind. Nach der Personenzahl richtet sich auch der Preis. In unserem Falle jetzt 9000 Kyat pro Person.

Wir laufen zu Fuß zur Bootsanlegestelle.

Die Bootsfahrt auf dem Duthawady dauert ca. 1 Stunde. Der Motor knattert und qualmt…Der Burmese am Motor hat sich auch direkt mal ne Fluppe angemacht. Fällt bei dem ganzen schwarzen Qualm auch nicht weiter auf...

Vom Boot aus kann man wunderbar das Treiben am Fluss beobachten.

Die einen waschen ihre Wäsche, die anderen lassen ihre Wasserbüffel baden und wieder andere nehmen selbst ein Bad...

In den Hängen am Flussufer entdecken wir auch ein Kloster, malerisch am Hang gebaut.

Die Wurzeln vieler Bäume sind total ausgespült...und viele kleine Dörfer tauchen rechts und links am Ufer auf.

An einem sehr schlammigen Stück Flussufer wird unser Boot festgemacht und wir steigen nacheinander den steilen Hang hinauf. Zu Beginn des Weges begegnen wir einer älteren Dame, die hier alleine in einer Hütte lebt und tagsüber die Feldarbeiter beherbergt.

Hier in der Gegend wird unter anderem Mais angebaut. Später erfahren wir, dass die Maiskörner aus China kommen und genmanipuliert sind. Er vermehrt sich nicht. Den Mais bekommen die Bauern vor Ort nicht verkauft, also wird er wieder nach China exportiert. Die Chinesen bestimmen die Preise. Sie bieten zu Beginn hohe Preise als Lockangebot und wenn viele Bauern den Mais anbauen, werden die Preise gedrückt. Die Bauern verdienen einen Hungerlohn und ihnen fehlt  das Land für den Anbau eigener Saaten bzw. Pflanzen.

Unser Guide läuft voran durch Felder und Plantagen und wir hinterher. Es ist sehr heiß und wir gehen langsam.

Zwischendurch bestaunen wir die Vegetation und den Anbau von Früchten aller Art.

 Nach ca. 45 minütiger Wanderung besichtigen wir ein 150 Jahre altes Kloster mitten im Grünen.

Wir kommen gerade zur Mittagszeit. Die kleinen Mönchskinder beten vor dem Essen und verschwinden dann alle in den Speiseraum. Wir werden auch aufgefordert uns zu setzen und bekommen Wassermelone und Tee angeboten. Die Pause tut gut. Wir lassen alle nach der Besichtigung eine kleine Spende dort.

Gestärkt und ausgeruht machen wir uns auf den Rückweg und besuchen einen Reisbauern.

Die Familie heißt uns herzlich willkommen. Sie schneiden uns eine frische Ananas auf und es ist die beste Ananas, die ich seit ewigen Zeiten gegessen habe, süß und saftig.

Ich darf noch den Arbeiter der Familie, einen Chinesen, fotografieren und entdecke die Reisbäuerin im Feld, auch ein wunderbares Fotomotiv.

Nach ein bisschen Smalltalk machen wir uns aber auch schon wieder auf den Weg.

Wir klettern zurück ins Boot und halten auf dem Rückweg an einem Shan-Dorf. Wir schlendern gemütlich durch das Dorf, was einen sehr ordentlichen und sauberen Eindruck auf uns macht.

Unser Guide erklärt uns den typischen Baustil der Shan und wir können auch den dorfeigenen Natschrein bewundern.

Das Dorf liegt an einem Ende am Fluss und an anderer Stelle fährt die Bahn durch das Dorf. Am Kiosk des Bahnhofes machen wir eine kleine Pause und kaufen uns etwas zu Trinken. Ein paar Kinder kommen erst schüchtern angelaufen, haben dann aber sichtlich Spaß an dem Spiel: Ich mache ein Foto und zeige es euch dann. Das wiederholen wir ein paar Mal…

Auf dem Rückweg drehen wir mit dem Boot eine kleine Schleife an einem unspektakulären Wasserfall.

Die Fahrt zurück dauert auch eine Stunde.

Im Hotel angekommen machen wir nur eine kleine Pause und möchten noch ein bisschen Sightseeing machen. Es dämmert schon, aber morgen fahren wir schon weiter und wir wollen den Tag nutzen. Wir buchen schnell noch im Hotel einen Platz im „Share Taxi“: pro Platz im Auto 15.000 Kyat nach Pyin Oo Lwin.

Beim Laufen durch die Straßen, begegnen wir wieder Elisabeth, die mit uns die Halbtagestour gemacht hat. Sie hat die Idee noch zum Shan-Palast zu gehen und wir schließen uns an. Nach ein paar Irrwegen finden wir das Grundstück. Auf dem Weg dorthin pflücken uns Kinder noch Blumen. Wir bekommen jeder eine Blüte. Süß!

Das Grundstück ist umzäunt und das Tor ist zu. Hmmm, Pech gehabt…Einer von uns versucht das Tor zu öffnen. Es geht auf! So ganz geheuer ist uns das nicht, aber wir gehen die Auffahrt vor zum großen Haus. Auf einmal kommen viele Hunde kläffend auf uns zu gerannt. Ich bleibe lieber mal stehen und rühre mich nicht von der Stelle. Durch das Gekläffe kommt plötzlich eine Frau aus dem Haus auf uns zu. Sie fragt, was wir möchten und als wir unser Anliegen erklären, bittet sie uns trotzdem ins Haus, obwohl die Besuchszeit vorbei ist. Sie bittet uns Platz zu nehmen und holt ihre Mutter. Laut meinem Loose-Reiseführer kann man das Haus gar nicht besichtigen, aber seit ein paar Monaten geht es wohl doch. Die Mutter kommt schließlich und erzählt uns anhand Fotos die Familiengeschichte.

Der Palast gehört zu den wenig erhaltenen und bewohnten Residenzen der Shan-Fürsten. Nachdem der Hausherr inhaftiert wurde, galt das Haus als geschlossen. Im Rahmen der Öffnung des Landes kann man es wieder besichtigen und die Familie wird im Moment nicht mehr vom Militär bedroht.

Es gibt ein Buch zur Familiengeschichte:  „Dämmerung über Birma-Mein Leben als Shan-Prinzessin.“: Inge Sargent glaubt, sich in einem Märchen wiederzufinden, als sie 1953 mit ihrem birmesischen Ehemann im Hafen von Rangun einläuft und mit fürstlichen Ehren willkommen geheißen wird. Erst jetzt nämlich erfährt die junge Österreicherin, dass ihr Mann Sao Kya Seng, den sie als Studentin in den USA kennen gelernt hat, nicht nur Bergbauingenieur ist, sondern auch Prinz des birmesischen Bergstaates Hsipaw und Oberhaupt der Shan. Inge ist somit die "Mahadevi", die Himmelsprinzessin.

Schon bald sucht sie sich eigene Aufgaben. Sie lernt Shan und Birmesisch, macht sich mit den Traditionen vertraut und engagiert sich in sozialen Projekten.
1962 findet das fortschrittliche Märchen ein grausames Ende: Sao Kya Seng wird nach dem Militärputsch verschleppt und ermordet; Inge Sargent gelingt mit ihren beiden Töchtern die Flucht in die USA. Bis heute wird sie als letzte Mahadevi von den Shan verehrt“.

Was für eine Geschichte...

Unglaublich dass eine Nachfahrin der Familie jetzt vor uns sitzt. Sie nimmt sich viel Zeit und erklärt uns, dass Inge Sargent zwar wieder lose Kontakt zur Familie in Hsipaw hat, aber nicht einreisen darf. Wir lassen alle eine kleine Spende als Dankeschön für den späten abendlichen Besuch da. Als wir das Haus verlassen, ist es stockdunkel und wir leuchten uns mit Taschenlampen den Weg zurück zum Hotel bzw. Brigitte und ich schlendern noch mal ins chinesische Restaurant vom Vortag.


 

Reiseberichte Burma November 2012

8. Tag / Zugfahrt von Mandalay nach Hsipaw

Heute ist Samstag und Brigitte hat Geburtstag. Leider können wir das nicht richtig feiern. Aber Brigitte trägt es mit Fassung. Und wir holen die kleine Feier nach.

Der Wake-up Call erfolgt in Form von heftigem Klopfen gegen unsere Zimmertür. Es ist 2:30 Uhr am Morgen! Schnelle Katzenwäsche im Bad, Zähne putzen, die restlichen Kleinigkeiten in die Tasche schmeißen. Um 3 Uhr wartet unser Taxi an der Rezeption. Wir fahren mit dem kleinen Pick-up durch die laue Nacht, die Straßen sind leer, nur Hunde liegen rum oder laufen umher. Nachts haben sie die Straßen fast für sich alleine. Tagsüber tummeln sie sich auch auf den Straßen, müssen aber ständig den Autos ausweichen.  Ich wundere mich, dass doch ein paar Verkaufsstände ihre Ware auch nachts anbieten.

Seitdem feststand, dass wir mit dem Zug fahren, erzählt Caroline immer mal wieder von ihren Zugfahrerlebnissen in Indien. Von Kindern, die in den Zug springen und alles mitgehen lassen, was nicht niet-und nagelfest ist, von Zügen, die gar nicht kommen oder Stunden zu spät…

Ich bin noch nie in Südostasien mit dem Zug gefahren und rechne also mit dem Schlimmsten und bin umso erstaunter und erfreuter als wir um 03:30 Uhr am Bahnhof eintreffen und unser Zug schon am Gleis steht. Als wir aus dem Taxi steigen bieten sofort Träger für kleines Geld ihre Dienste an, die ich gerne annehme. Der Zug steht auf einem hinteren Gleis und ich bin froh, den schweren Rucksack nicht treppauf und treppab tragen zu müssen. Klappt doch alles super. Am Zug angekommen, wird unser Ticket kontrolliert und wir bekommen unsere Plätze gezeigt.

Der Zug hat 9 USD pro Person gekostet. Und wir haben ein Zugticket für uns alle vier, First class.

Da bis auf 3-4 Burmesen sonst niemand im Abteil sitzt, verteilen wir uns auf die gepolsterten Bänke, wuchten die Taschen auf die Gepäckablagen, öffnen die Fenster und dösen vor uns hin.

Ich beobachte das Treiben auf den Gleisen. Überall liegen Menschen auf Matten unter Decken auf den Bahnsteigen und schlafen.

 Irgendwo schreit ein Baby... In einer Ecke hocken ein paar Jugendliche und tippen auf Ihren Handys bzw. spielen sich gegenseitig Musik vor. Ob die Menschen auf ihren Zug warten oder ob sie hier leben ist mir nicht ganz klar. Der Bahnhof sieht aber relativ sauber aus, wenig bis gar kein Müll, keine Ratten (zumindest sichten wir keine) und Brigitte meint, dass es Wartende sind. Der Gedanke ist mir auch lieber…

Pünktlich um 4 Uhr fährt der Zug los! Gaht doch!

 Es sind noch 3 weitere Westler in den Zug zugestiegen, vermutlich Schweizer. Als der Zug losfährt, holpern und schunkeln wir von rechts nach links und von oben nach unten. Wir müssen lachen…Der Zugwind bläst frische Luft ins Abteil und ich bin froh ein langärmliges T-Shirt und mal wieder mein Kapuzensweatshirt an zu haben. Wir lümmeln und alle irgendwie auf den Sitzen zurecht und versuchen zu schlafen.

Irgendwann wird es hell draußen und wir fahren bei offenem Fenster an wunderschönen Landschaften vorbei. Wir fahren durch das Land der Shan. Es erstreckt sich im Osten des Landes von Nord nach Süd. Wir fahren nach Hsipaw in den Norden.

 Burma ist ein Vielvölkerstaat und eines der ethnisch vielfältigsten Länder Südostasiens. Es gibt 135 offiziell anerkannte Volksgruppen. Die 135 Ethnien werden in acht Hauptgruppen aufgeteilt: die Kachin, die Shan, Kayah, Kayin, Mon, Bamar, Rakhine und die Chin.

Ich bin sofort verliebt in das Land der Shan: Grün soweit das Auge reicht, im Hintergrund sieht man Berge. Alles ist bedeckt von gelben kleinen Sonnenblumen. Es scheint ein sehr fruchtbares Land zu sein. Überall neben den Gleisen sieht man Felder, auf denen Gemüse angebaut wird bzw. Reisfelder.

Wir haben natürlich auch Glück, da wir im November, unmittelbar nach der Regenzeit, das Land bereisen. Alles ist grün und blüht und Caroline meint, dass alles so appetitlich aussieht…

Ich fotografiere viel aus dem offenen Zugfesnster...

Ich genieße also sehr diese rumpelige Zugfahrt und kann gar nicht genug bekommen von der Aussicht. Das witzige ist, dass natürlich entlang der Bahngleise das Grün nicht beschnitten wird wie in Deutschland üblich, so dass der Zug als natürlicher „Rasenmäher“ funktioniert. Die ganze Fahrt über fliegen Zweige durchs Fenster und der Grünschnitt landet im Abteil. Ab und zu müssen wir immer unsere Hosen und Sitze von zerfetzten Blättern und Blüten befreien. Einmal bekomme ich einen Ast ins Gesicht und Brigitte ein Stück Blatt ins Auge, was natürlich weh tut…

Der Zug hält an vielen Bahnhöfen und Frauen und Kinder bieten ihre Ware an. Sie gehen die Abteile entlang, um auf sich aufmerksam zu machen und rufen ihre Ware aus: gekochte Wachteleier, Nüsse, Bananen und andere Früchte sowie kleine Snacks. Meistens dauern die Stopps eine Weile, so dass man getrost aussteigen kann. Caroline besorgt sich Tee und bekommt ihn in einer Tüte mit Strohhalm.

Ich steige auch aus, um mir die Beine zu vertreten und beobachte die Menschen im Zug und sie mich scheinbar auch.

Auf der anderen Seite des Zuges kann ich Hunde beobachten, die im Müll nach fressbarem suchen und kleine Kinder bieten Getränke an. Mädchen laufen mit ein oder zwei Getränken in der Hand den Zug auf und ab und versuchen, etwas zu verkaufen. Ich entdecke einen kleinen Jungen, der mit der einen Hand einen vollgefüllten schweren Wassereimer den Zug entlang schleppt und in der anderen Hand hält er einen Plastikbecher. Er bietet becherweise Wasser zum Trinken an und ruft das auch vor sich hin. Diese Szene macht mich unendlich traurig. Keiner kauft einen Becher und er bleibt irgendwann vor unserem First Class Abteil stehen. Er sieht desillusioniert und verträumt aus, irgendwie ganz weit weg. Er starrt geistesabwesend vor den Zug und ab und zu fällt ihm ein, dass er ja was verkaufen muss und dann ruft er ganz monoton. Hoffentlich verbessert sich auch seine Lebenssituation aufgrund der Veränderungen in Burma. Müssten er und die Mädchen nicht um diese Zeit am Tag zur Schule gehen? Irgendwann verteilt ein Westler Kugelschreiber an den Jungen und die Mädchen aus dem Fenster. Sie nehmen sie entgegen, aber richtige Freude ist auf den Gesichtern irgendwie nicht zu erkennen. Ich bin irgendwie froh, als der Zug weiterfährt.

 Am Bahnhof Pyin Oo Lwin steigen viele Westler in den Zug. Sie möchten den kommenden Streckenabschnitt mitfahren, da wir bald über das berühmte Gokteik Viadukt fahren. Das Abteil ist fast voll. Es ist die berühmteste Eisenbahnbrücke in Myanmar. Sie wurde 1901 eröffnet.  Der Zug fährt über die mittlerweile renovierte Brücke höchst vorsichtig im Schritttempo. Als das Viadukt in Sichtweite kommt, stürzen sich alle auf die eine Zugseite und machen Fotos. Ich kann sitzen bleiben, denn ich habe die Brücke auf meiner Seite…

Viele Bahnliebhaber sind in der Bahn und fotografieren die verrücktesten Sachen. Caroline berichtet von einem, der ein Tonbandgerät dabei hat und Geräusche aufnimmt…

Die Zugfahrt nimmt kein Ende und ich verkneife mir die ganze Zeit den Gang zu Toilette bzw. ich muss gar nicht, da ich fast nichts getrunken habe…vorsichtshalber…

Ich habe zu Beginn der Fahrt  den Drang, mal den Kopf aus dem Fenster während der Fahrt zu stecken, aber Brigitte macht mich eindrücklich darauf aufmerksam, dass das keine gute Idee ist, denn schnell  knallt der Kopf an einen Pfosten…die Sicherheitsabstände sind hier nicht so wie in Deutschland… Na gut…Ich bin lernfähig und behalte meine Gliedmaßen im Zug!

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal erwähnen, dass Brigite Ärztin ist und schon in mehreren Ländern in Südostasien im Einsatz war und derartige "Unfälle" schon notversorgen musste...

Nach 11 Stunden Fahrtzeit erreichen wir um um kurz nach 15 Uhr endlich Hsipaw.

Die Stadt liegt außerhalb der normalen Touristenroute und wird von vielen Touristen als Startpunkt für Trekkingtouren genutzt.  Am Bahnhof warten jede Menge Taxis aller Art (Autos, Motorräder, eine Art Trecker, Pick ups) darauf, die Gäste zu ihrem Hotel zu fahren. Wir nehmen zu viert den Pick up und fahren zu unserem Hotel „Mr. Charles“. Als wir ankommen entdecken wir, dass wir nicht die einzigen mit diesem Ziel sind. Das Hotel ist voller westlicher Backpacker. Das Zimmer kostet 35 USD pro Nacht und das Hotel bietet auch organisierte Touren, meist Trekkingtouren, an. Aber darum kümmern wir uns morgen. Das Prospekt stecken wir uns aber schon mal ein, um zu schauen, was so angeboten wird.

Nach einer kurzen Sichtung des Zimmers und einer Pause auf dem Bett, laufen Brigitte und ich noch durchs Städtchen, um im Hellen noch mal schnell die Lage zu peilen. Ab 6 Uhr abends ist es stockdunkel und man benötigt eine Taschenlampe und gute Augen, um sicher die Straße entlang zu laufen, da die Bürgersteige oft zugestellt sind und man auf die Straße ausweichen muss und überall große Löcher oder ähnliches in der Straße sind, also viele Stolperfallen.

Wir entdecken einen Laden, der so ziemlich alles anbietet und hier besorgen wir uns eine Riesenrolle Toilettenpapier. Das Toilettenpapier auf den Hotelzimmern ist meist viel zu wenig und von ganz schlechter  Qualität. Es zerbröselt beim Benutzen…Das Toilettenpapier, was wir jetzt gekauft haben, sieht ganz stabil aus…Es wird uns eine Weile auf der Reise begleiten…

Später  finden wir ein chinesisches Restaurant und wir stoßen mit Bier und Cola auf Brigittes Geburtstag an. Fazit: Das Zugfahren hat doch gut geklappt, besser als gedacht. 

Reiseberichte Burma November 2012

7. Tag / Mandalay

Um 9 Uhr sind wir mit „unserem“ Taxifahrer von vorgestern verabredet. Wir haben ihn mit seinem Taxi für den ganzen Tag gebucht und zahlen dafür 25.000 Kyat. Wir wollen diverse Stationen abfahren bzw. sehen und planen gemeinsam mit ihm die beste Route.  Das Taxi ist so ein kleiner Minipickup mit offener Ladefläche, vollkommen ausreichend für uns. Auf der Fahrt winken uns die Burmesen immer wieder fröhlich zu. Vier westliche Frauen auf einer Ladefläche sehen sie auch nocht sooo oft...

Am Vorabend haben wir alle noch fleißig Postkarten geschrieben und so fahren wir zuerst zur Post, um Briefmarken zu besorgen. Die Briefmarken für die Postkarten sehen wunderschön aus.

Als Nächstes müssen wir noch mal zum Hauptbahnhof zur Touristeninformation, um die Zugfahrkarten abzuholen. Das dauert aus unerklärlichen Gründen eine Weile, obwohl Caroline ja schon dort war und alles bezahlt hat…Wir und unser Taxifahrer machen es uns gemütlich und lesen noch ein bisschen im Reiseführer bzw. Zeitung.

Nachdem wir unsere Zugtickets haben, fahren wir zur  Blattgoldherstellung. In schweißtreibender körperlicher Arbeit schlagen die Männer im Rhythmus das Gold zu dünnen feinen Plättchen, die die Gläubigen an Tempeln kaufen können, um sie auf Statuen bzw. Stupas zu kleben.

Im Nebenzimmer sitzen Frauen und schneiden und binden die Goldplättchen zu kleinen Paketen und eine Frau vergoldet mit den Plättchen grüne Blätter. Das Zehner-Päckchen mit je 4x4 cm großen Stückchen Blattgold kostet laut Reiseführer 4 USD. Bei den Werkstätten handelt es sich meist um Familienbetriebe.

Beim kurzen Stopp zwischendurch an einem Supermarkt entdecke ich Seltsames für Burma: Verkaufsstände mit Weihnachtsartikeln. 90 % der Einwohner des Landes sind Buddhisten und es gibt nur 6 % Christen, 4 % Muslime und 0,5 % Hindus. Aber der Weihnachtskommerz  hält auch hier Einzug. Am Tag meines Abfluges kann ich auch beobachten wie ein Tannenbaum im Flughafen aufgestellt wird…

Als Nächstes fahren wir zur Mahamuni Pagode. Diese Pagode zählt zu den Hauptpilgerstätten des Landes. Die Mahamuni-Statue ist 3,80 m hoch und war ursprünglich eine Bronzefigur. Im Laufe der Zeit wurde sie fast bis zur Unförmigkeit mit Blattgold bedeckt. Es dürfen sich allerdings nur Männer der Statue nähern und Blattgold anbringen. Frauen ist das Betreten des inneren Bereiches verboten.

Der nächste Stopp führt uns wieder zu einem Handwerk, welches auch typisch für Mandalay ist: die Steinmetze. Hier erstehe ich einen kleinen Mamorelefanten als Mitbringsel.

An der Mahamuni Pagode fallen uns ganz viele kleine Stände auf, bei denen man sich durch Handlesen die Zukunft voraus sagen lassen kann. Aber irgendwie traut sich so recht keiner von uns.

Es ist schon wieder Mittag und unser Fahrer führt uns in ein burmesisches Restaurant. Wir laden ihn selbstverständlich ein und er isst mit sichtlichem Appetit, wir aber auch...

Da wir am nächsten Morgen schon um 2:30 Uhr aufstehen müssen, endet dieser Tag recht früh, denn wir müssen mal wieder unsere Taschen packen. Aber wir gehen auf dieser Reise grundsätzlich früh ins Bett. Brigitte und ich müssen selbst manchmal  lachen, wenn wir nach dem Duschen ins Bett steigen und auf die Uhr schauen. Aber wir sind uns da perfekt einig, lesen noch ein wenig, schreiben Reisetagbuch oder ich döse auch gerne so vor mich hin und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Perfekt! Die ganzen Eindrücke müssen ja auch schließlich verarbeitet werden J